 haben: während er schreibt, fällt wieder
etwas in ihm vor, es sei eine Empfindung oder eine Reflexion über das
Geschriebene - dies will wieder niedergeschrieben sein - kurz der beste Läufer
holet nicht seinen Schatten ein.
    Und welch ein lumpiges knechtisches katoptrisches Nach-Leben, dieses
grabes-luftige Zurückatmen aus lauer Vergangenheit statt eines frischen Zugs aus
frischer Luft! Das flüchtige Getümmel wird ein Wachsfigurenkabinett, der
blühende flatternde Lebensgarten ein festes pomologisches Kabinett. Ists nicht
tausendmal klüger, der Mensch ist von Gegenwart zu Gegenwart wie Gott von
Ewigkeit zu Ewigkeit, und der fröhliche Trieb tut seinen Windstoß in die Blumen
und Wellen hinein, wirft Blumenstäubchen und Schiffe an ihren Ort und gähnt und
stöhnt nicht wieder erbärmlich zurück?
    Hingegen ein Tage- und Wochenbuch über andere! - Ich gesteh' es meinem
geneigten Leser, dem guten Vult, dies ist etwas anderes; aber ich muss freilich
sehen und - anfangen.
    Doch so viel lässt sich auch, ohne anzufangen, annehmen, dass mein
Hausherrlein und Brüderlein Walt vielleicht zu einem historischen Roman (den
Titel Tölpeljahre eines Dichters verschwör' ich nicht) zu verbrauchen ist,
nämlich als Held, besonders da er eben in Liebes-Blüte und vollends gegen eine
Hässlichkeit47steht; wenn mich nicht der ganze neuliche Wechsel-Prozess und sein
heißes Verteidigen und Beschauen ihres Gesichts und Herzens zu sehr betrügt. Nur
ist durchaus erforderlich, dass ich als der Beschreiber des Lebens ihn geschickt,
wie eine herkulanische Bücherrolle, auseinanderwinde und dann kopiere. Ich seh'
auch nicht ein, warum ich nicht überhaupt so gut einen göttlichen Roman
schreiben sollte wie Billionen andere Leute. Mir selber ist Schriftstellerei so
gleichgültig, Vult! Wie ich lebe, nicht um zu leben, sondern weil ich lebe, so
schreib' ich bloß, Freund, weil ich schreibe. Worin soll denn das Ebenbild
Gottes sonst bestehen, als dass man, so gut man kann, ein kleines Aseitätchen48
ist und - da schon Welten mehr als genug da sind - wenigstens sich Schöpfer
täglich erschafft und genießt, wie ein Messpriester den Hostiengott? - Was ist
überhaupt Ruhm hienieden in Deutschland? Sobald ich mir nicht einen Namen machen
kann, dass ich vom Niedrigsten bis zum Höchsten täglich genannt, gelobt und vor
Begierde verschlungen werde - diesen Namen aber hat in Deutschland weiter
niemand als Broihann, nämlich der erste Brauer des Broihanns -, so erhebe mich
doch nie ein Journal, fleh' ich. Ebensogern als einer Vergrößerung durch
dasselbe will ich einem Erzengel zu Gebote stehen, welcher mit einem
mittelmäßigen Sonnen- und Weltenmikroskop auf dem Marktplatz der Stadt Gottes
etwas verdienen will und daher, um andern neugierigen Markt-Engeln die Wunder
Gottes und des Mikroskops zu zeigen, mich als die nächste Laus einfängt und auf
den
