 dem Reflexions-Punkte
weggeflogen.«
    O Gott, Stadtrat! was wäre noch zu sagen, würd' es nicht gedruckt! Ein Autor
gibt lauter Nüsse aufzubeissen, welche dem Gehirne gleichen, das nach Le Kamus
ihnen gleicht, und die also drei Häute haben; wer aber schälet sie ab? - Ein
bekannter Autor ist allerdings bescheiden; das ist aber eben sein Unglück, dass
niemand weiß, wie bescheiden man ist, da man von sich nicht sprechen und es
sagen kann. Er könnte seinem Stiefelknecht hundert Livreefarben anstreichen, er
könnte den Eisen-Fang seines Windofens zu seinem brennenden Namenszug
verschweifen und ringeln lassen, aber niemand weiß es, dass ers nicht tut. Erwägt
man vollends, wie viele Schlachten Bonaparte, sowohl in als außer Europa,
ausstand und lieferte, bloß damit nur einmal sein Name richtig geschrieben
würde, ohne das U, wofür er jetzt den Franzosen jenes X macht, jenes
algebraische Zeichen der unbekannten Größe, erwägt man also, mit welcher Mühe
ein Name gemacht und mit wie leichter er wieder ausgewischt wird: so ists
wahrlich ein matter Trost, dass es in Rücksicht des Verkennens auch andern
größten Männern nicht besser ergangen, z.B. dem großen Gottsched, der selber
sogar im Gellertischen Leipzig so manches erlitt, was man hier nicht wiederholen
will.
    Der vierte Punkt, wovon ich einem hochedlen Magistrate zu schreiben
versprach, ist gerade ein närrischer, den der junge Schuster am besten
ausfechten würde in öffentlichen Blättern.
    Ein hochedler Stadtmagistrat wünschte nämlich von weitem, dass das Werk etwas
verweint und beweglich verfasset würde. Aber wie war das noch tunlich in unsern
Tagen, Verehrteste, die ein wahrer einziger heller Tag sind, wo die Aufklärung
als ein eingeklemmter angezündeter Strick fortglimmt, an welchem an öffentlichen
Orten jedes Tabakkollegium seine Köpfe anzündet? - Wer öffentlich noch ein wenig
empfinden darf und der ist zu beneiden -, das sind entweder die Buchhändler in
ihren Bücher-Geburts-Anzeigen, indem man alle etwanige Empfindsamkeit darin mit
dem Eigennutz entschuldigen kann; oder es sinds die lachenden Erben in ihren
Todes-Anzeigen, wo aus demselben Grunde der Korkzieher der Tränen darf
eingeschraubt und angezogen werden. Sonst aber hat man gegen Weinen, besonders
wahres, viel - die Tränenkrüge sind zerschlagen, die weinenden Marienbilder
umgeworfen von zeitiger Titanomanie - die besten Wasserwerke sind noch früher
angelegt als die Bergwerke, welche davon auszutrocknen sind - wie in
Schmelz-Hütten ist in die Seelenschmelz-Hütten, in die Romane, einen Tropfen
Wasser zu bringen streng verboten, weil ein Tropfen das Glut- und Fluss-Kupfer
zertrümmernd auftreibt - der Mensch fängt überhaupt an, und zwar bei den Tränen
(nach Hirschen und Krokodilen zu schließen), das Tierische abzulegen, und das
Menschliche
