 an Eusebio.
    Sollte Godwi nicht auf diesen Kleinen wirken, und wie wird er es tun?
                                                                           Molly
 
                 Jost von Eichenwehen an seine Schwester Joduno
Der Papa, liebe Klaudia, hat viel zu viele Geschäfte, darum hat er mir befohlen,
zu schreiben, und siehst du, unter uns gesagt, es wäre auch ohne Geschäfte nicht
so recht seine Sache mit dem Schreiben.
    Man kann es ihm auch nicht verüblen, denn zu seiner Zeit gings noch nicht so
rasch mit der Kultur und der Aufklärung, wie es jetzt geht; da denn der Sohn den
Vater immer überschreiten muss. Es geht dir auch jetzt so höllisch geschwind, dass
man ordentlich recht auf seiner Hut sein muss, um seinen Vormann nicht überen
Haufen zu werfen. Mir brummt der Kopf vor lauter Bildung, und wenn ich mich
nicht fast allein auf die Taktik und Heraldik legte, so würde ich sicher vor
Eilen in der Aufklärung den Atem verlieren.
    Mit dem vierten Band vom Akazienbaum bin ich kaum fertig und habe noch viel
von der Pockennot, und besonders vom Runkelrüben-Zucker vor mir. Ich möchte des
Teufels werden, wenn ich denke, dass unsre Kühe so viel Zucker gefressen haben,
den wir hätten zu unserm Kaffee brauchen können, und so viele Blattern gehabt
haben, die wir hätten den Menschen inokulieren können. So geht es aber, wenn man
in seiner Kindheit fortlebt. Wenn ich nur wieder zurückkomme, da soll eine ganz
andere Bildung losgehen.
    Das Leben in der Residenz ist freilich ein ganz andres Savoir-vivre, da
herrscht dir ein Ton, der sich darf hören lassen, und du musst mirs verzeihen,
wenn ich manchmal in diesem Brief hie und da so etwas durchblitzen lasse, das
dir Kopfbrechens kostet; aber wenn man einmal in dem Strom der Aufklärung drinne
sitzt, so muss man immer weiter mit fort, und ich möchte mir noch so viel ennui
geben, ich kann mich nimmer auf meinen alten Stil und Schreibart besinnen.
    Ich habe aber auch die Ohren gespitzt, um alles recht zu erwischen, gib
Achtung.
    Morgens um - - zehn Uhr stehen wir auf, dann wirft man sich in eine
Negligence und hat, man sagt aber nur so, nicht gut geschlafen. Dann geht man in
der Stube auf und ab, bis der Friseur kommt. Da geht es dann gleich mit der
Bildung an, die schönen Wissenschaften nämlich, und zwar das Theater. Der
Friseur macht alle Perücken für die Schauspieler, und wickelt einen mit lauter
Komödienzetteln auf. Gestern hat er mich mit lauter Familienstücken gebrennt,
und jetzt habe ich den Gustav Wasa und Bayart von Kotzebue hinter den Ohren.
    Der Friseur sagt einem auch, was am stärksten gelesen wird, denn er sieht
das immer
