 sagt, und der Pater sagt es auch, und jedermann
im Dorfe sagt: wir dürften einander nicht lieben.
    ER Sonderbar!
    SIE Ich wollte, ich wär' gestorben!
    ER Wie heißt dein Edelmann?
    SIE Mein Herr ist der Herr Marquis Reali. Er ist, sagt man, den Mädchen gar
gut, aber mir nicht. In unserm Dorfe verheiratet er die Mädchen beinahe nach
seinem Sinne, und er beschenkt sie dann auch.
    ER Er muss dich auch beschenken.
    SIE Er will nicht und will auch nicht, dass ich meinen Nicolo heiraten soll.
    ER Wie nennt man dich?
    SIE Maria. - Mein Vater ist Aldonzo und hat schöne Felder. Geschwister habe
ich nicht, arm bin ich auch nicht; aber - unglücklich.
    Ihr Korb war gefüllt. Sie schwang ihn auf den Rücken, trocknete die Augen
und ging. Rinaldo ging mit ihr. Sie sah ihn mit fragenden Blicken an.
    RINALDO Ist der Marquis Reali verheiratet?
    MARIA Nein.
    RINALDO Alt?
    MARIA Ein Dreissiger.
    RINALDO Hübsch?
    MARIA Ziemlich, aber doch nicht so hübsch wie mein Nicolo.
    RINALDO Ist er gesellschaftlich?
    MARIA Er gibt an Gastfreiheit keinem Sarden etwas nach.
    RINALDO Er ist wohl reich?
    MARIA Sein gutes Auskommen soll er haben; soll auch etwas zurücklegen
können, aber - das tut er nicht, wie man sagt. - Doch, - sagt mir nun auch,
warum Ihr mich so ausfragt?
    RINALDO Weil ich wünsche, dich glücklich zu sehen.
    MARIA Können das Eure Fragen und meine Antworten bewirken? Nein! Dahinter
steckt sicher etwas ganz anderes. - Aber, seht! dort kommen Leute, lasst mich
allein meinen Weg gehen und bringt mich nicht in böse Mäuler.
    Er sagte ihr ein Lebewohl und kehrte schnell in seine Burg zurück.
Als er auf den gewöhnlichen Versammlungsplatz kam, stellte man ihm einen
Rekruten vor. Rinaldo examinierte ihn. Seine Antworten waren:
    »Ich bin desertiert von dem Deutschen Regimente, welches in Kagliari in
Besatzung liegt. Das Schultern stand mir nicht länger an. Ich lief davon und
habe Lust, ein Handwerk zu treiben, das mir, obwohl in anderer Art, von jeher
sehr gefiel und behagte. Mit einem Worte, das Rauben war vorlängst schon meine
Sache. Von Geburt bin ich ein Deutscher, geboren in Reutlingen, wo ich das
Zugreifen lernte. Ein Buchdrucker von Profession erhob ich mich bald zum
Nachdrucker. Es ist dies ein sehr leichtes Geschäft, zwar unerlaubt, trägt aber
etwas ein. Man braucht nur zu vigilieren, welches Buch Aufsehen macht, und guten
Abgang verspricht. Gleich fährt man darüber her, druckt es auf Löschpapier mit
abgestumpften Lettern nach, schickt's in die Welt und streicht's Geld
