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    Lukas schüttelte zweifelhaft mit dem Kopfe.
    »Ich bin sogar davon überzeugt«, fuhr Albrecht fort, »denn jeder Mensch
leistet doch nur das, was er vermag; ebenso ist es auch mit dem ganzen
Zeitalter. Erinnert Euch nur dessen, was wir vorher über die Erfindung
gesprochen haben. Dem alten Wohlgemut würde das Ketzerei geschienen haben, was
ich jetzt male, so würde Euer Lehrer Engelbrecht schwerlich wohl auf die
Erfindungen und Manieren verfallen sein, die Euch so geläufig sind. Warum sollen
unsre Schüler uns nun nicht wieder übertreffen?«
    »Was hätten wir aber dann mit unsrer Arbeit gewonnen?« rief Lukas aus.
    »Dass sie ihre Zeit ausfüllt«, sagte Dürer gelassen, »und dass wir sie gemacht
haben. Weiter wird es niemals einer bringen. Jedes gute Bild steht da an seinem
eigenen Platze, und kann eigentlich nicht entbehrt werden, wenn auch viele andre
in andern Rücksichten besser sind, wenn sie auch Sachen ausdrücken, die man auf
jenem Bilde nicht antrifft. Ja oft geht man rückwärts, indem man vorschreitet,
vor einiger Zeit sah ich ein altes Bild Wohlgemuts wieder, und eine solche
Lieblichkeit und zarte Rührung glänzten mich daraus an, wie ich mir nie getraue,
hervorzubringen, weil meine Weise wohl stärker und härter ist.«
    »Ja, ja«, sagte Lukas still vor sich hin, »da mag was dran sein, hat doch
einer sogar einmal behauptet, meine Bilder dürften sich mit denen des alten
Johann von Eyck nicht messen. Wer weiß, welche sonderbare Werke und kunterbunte
Meinungen nach uns in der Welt entstehen!«
    »Ich habe mich immer darin gefunden«, fuhr Dürer fort, »dass vielleicht
mancher zukünftige Maler von meinen Gemälden verächtlich sprechen mag, dass man
meinen Fleiß, und auch wohl mein Gutes daran verkennt. Viele machen es schon
jetzt mit denen Meistern nicht besser, die vor uns gewesen sind, sie sprechen
von ihren Fehlern, die jedem in die Augen fallen, und sehen ihr Gutes nicht; ja
es ist ihnen unmöglich, das Gute daran zu sehen. Aber auch dieses Lästern rührt
bloß vom bessern Zustande unsrer Kunst her, und darum müssen wir uns darüber
nicht erzürnen. Und deshalb sehe ich es gerne, dass mein lieber Franz Italien
besucht, und alle seine denkwürdige Kunstsachen recht genau betrachtet, eben
weil ich viel Anlage zur Malerei bei ihm bemerkt habe. Aus wem ein guter Maler
werden soll, der wird es gewiss, er mag in Deutschland bleiben oder nicht. Aber
ich glaube, dass es Kunstgeister gibt, denen der Anblick des Mannigfaltigen
ungemein zustatten kommt, in denen selbst neue Bildungen entstehn, wenn sie das
Neue sehen, die eben dadurch vielleicht ganz neue Wege auffinden,
