 sagte Albert mit der gutmütigsten Freundlichkeit,
»und ich versichere Euch, ich habe viel von Euch gelernt. Wie Ihr mit Eurem
Körper behende und gewandter seid, so seid Ihr es auch mit dem Pinsel und
Grabstichel. Ihr wisst eine gewisse Anmut mir Wendungen und Stellungen der Körper
in Eure Bilder zu bringen, die mir oft fehlt, so dass meine Zeichnungen gegen die
Eurigen hart und rau aussehen; aber Ihr erlaubt mir auch zu sagen, dass es mir
geschienen hat, als wärt Ihr ein paarmal unnötigerweise von der wahren Einfalt
des Gegenstandes abgewichen. So gedenke ich an ein paar Kupferstiche, wo vorne
Leute mit großen Mänteln stehen, die dem Zuschauer den Rücken zuwenden, da sie
uns wohl natürlicher das Angesicht hätten zukehren dürfen. Hier habt Ihr nach
meinem einfältigen Urteil nur etwas Neues anbringen und durch die großen
Mantelfiguren die Kontrastierung mit den übrigen Personen im Bilde verstärken
wollen; aber es kommt doch etwas gezwungen heraus.«
    »Ihr habt recht, Albert«, sagte Lukas, »ich sehe, Ihr seid ein schlauer
Kopf, der mir meine Münzen wiederzugeben weiß. Ich habe mich öfter darauf
ertappt, dass ich ein Bild verdorben habe, wenn ich es habe besser machen wollen,
als ich es auf Euren Platten gesehen hatte. Denn man verliert gar zu leicht den
ersten Gedanken aus den Augen, der doch sehr oft der allerwahrste und beste ist;
nun putzt man am Bilde herum und über lang oder kurz wird es ein Ding, das einen
mit fremden Augen ansieht, und sich auf dem Papiere oder der Tafel selber nicht
zu finden weiß. Da seid Ihr glücklicher und besser daran, dass Euch die Erfindung
immer zu Gebote steht; denn so ist es Euch fast unmöglich, in einen solchen
Fehler zu fallen. - Wie macht Ihr es aber, Albrecht, dass Ihr so viele Gedanken,
so viele Erfindungen in Eurem Kopfe habt?«
    »Ihr irrt Euch an mir«, sagte Albrecht, »wenn Ihr mich für so
erfindungsreich haltet. Nur wenige meiner Bilder sind aus dem bloßen Vorsatz
entstanden, sondern es war immer eine zufällige Gelegenheit, die sie veranlasste.
Wenn ich irgendein Gemälde loben, oder eine der heiligen Geschichten wieder
erzählen höre, so regt sich's plötzlich in mir, dass ich ein ganz neues Gelüst
empfinde, gerade das und nichts anderes darzustellen. Das eigentliche Erfinden
ist gewiss sehr selten, es ist eine eigene und wunderbare Gabe, etwas bis dahin
Unerhörtes hervorzubringen. Was uns erfunden scheint, ist gewöhnlich nur aus
älteren schon vorhandenen Dingen zusammengesetzt, und dadurch wird es
gewissermaßen neu; ja der eigentliche erste Erfinder setzt seine Geschichte oder
sein Gemälde doch auch nur zusammen, indem er teils seine Erfahrungen, teils was
ihm dabei
