 einen Schulmeister in ihm zu
holen. Das sagte er mir, seinem Oheim. Was meinen Sie, das der Kammer
bevorsteht? Eine Reform! eine Reform! Mein Neffe ist in Frankreich gewesen; und
wenn sich seine Schimäre mit der Schimäre der Physiokraten vermählt hat, so wird
in unserm Lande etwas Artiges zum Vorschein kommen.«
    RENOT: Einer gegen die ganze Kammer? Was Sie mir da sagen, Herr Präsident!
Ein junger Mann gegen eine ganze fürstliche Kammer, und der erfahrne kluge
Präsident, sein Oheim, an der Spitze dieser Kammer? Wenn ich für einen
fürchtete, so wär es für ihn. Doch der junge Mann wird wohl auf den erfahrnen
Oheim hören, wird bei dem ersten Fehltritt einsehen, dass es sich in dem Lande
der Wirklichkeit nicht so leicht schwebt wie in dem Lande der Schimären. Es
sollte mir leid um ihn tun, wenn er diese wirklich bittere Erfahrung machen
müsste.
    PRÄSIDENT: So bedenken Sie meine Sorge, die Sorge eines Oheims. Er ist der
einzige Sohn einer geliebten Schwester. Aber sagen Sie, lieber Renot, kann ich
es zugeben als Staatsmann, als Patriot, als Minister, als Bürger, dass ein junger
Mensch, und sei er auch mein Neffe, sei er auch mein Sohn, die Ordnung störe,
die ich mit so vieler Mühe endlich so weit gebracht habe, dass alles nach
Tabellen geht? Sie sehen, ich hange auch an Schimären; aber die Schimären, denen
ich nachlaufe, halten Land und Leute zusammen. Es tut mir wahrlich weh, so reden
zu müssen, doch ich bin gerecht, und umso gerechter, da ich ein Mitglied meiner
Familie tadle, da ich, bei Gott! alles darum geben möchte, ihn dem Staate so
nützlich zu machen, als er sein könnte, wenn er sich leiten ließe. Da sehen Sie
nun die Früchte von der Erziehung eines Pedanten!
    RENOT: Sie werden noch sonderbarere Dinge sehen!
    PRÄSIDENT: Das fürcht ich eben. - Sich so gar nicht mit klügern Leuten zu
beraten, so seinen eignen Gang gehen zu wollen, als sei die Welt ein Wirtshaus,
wo man eintritt, ohne sich um die Gäste zu bekümmern, die um einen her sitzen -
das kann nicht gut gehen. Alle Räte wundern sich schon über das Benehmen des
Fürsten. - Mir macht es in allem Betracht Ehre; aber um seinetwillen wünscht
ich, es wäre anders gegangen. Lieber Renot, er wird sich gewiss bald lächerlich
und dann verhasst machen. Und ich, der ich dieses alles voraussehe, muss es
geschehen lassen; denn Sie glauben gar nicht, wie bestimmt er ist.
    RENOT: Wenn er bestimmte Leute vor sich findet, wird er schon
herunterstimmen.
    PRÄSIDENT
