 Fehler wohl behalten.
    Hadem drückte ihm noch wärmer die Hand, und Ernst trat näher.
    HADEM: Wir sind in Ihrem Hause gewesen, lieber Kammerrat.
    KAMMERRAT lächelnd: Und haben mich dort nicht gefunden, weil es mein Haus
nicht mehr ist. Aber doch haben Sie mein Porträt auf dem großen Schilde gesehen.
Wenigstens soll es mich vorstellen, getroffen oder nicht.
    HADEM: Sie?
    KAMMERRAT: Sagen Sie, ist es nicht eine Torheit von der Kammer, dem armen
Manne mit aller der Vergoldung und närrischen Pracht so viele Kosten zu
verursachen? Wenn die Kammer sich einen Spaß machen wollte, so hätte sie doch
ökonomischer dabei verfahren müssen. Dafür heißt sie die Kammer, und das hätte
sie auch hier nicht vergessen sollen.
    HADEM: Was wir da sahen, lieber Kammerrat, ist nichts anders als ein
dauerndes Denkmal Ihrer Tugend und durch seine Bosheit ein noch schändlicherer
Beweis von dem Unsinn und der Undankbarkeit der Kammer. Ich ahnde, woher es
kommen mag, und Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie mir sagten, wie es
möglich war, wie das geschehen konnte, was ich von dem jetzigen Bewohner Ihres
Hauses erfahren habe.
    KAMMERRAT: Der arme Mann dauert mich; ich musste die unschuldige Ursache zu
seinem Elende sein.
    HADEM: Wollten Sie uns erzählen -
    KAMMERRAT: Ich rede so ungern davon.
    HADEM: Nun, so kurz, als es die Bosheit verdient; wir lernen dann von Ihnen
sie zu vergessen.
    KAMMERRAT: Nur auf diese Bedingung. Nun, lieber alter Freund, die Kammer
sagt, der Kammerrat Kalkheim sei ein Narr; und daran mag wohl etwas sein. Aber
das weiß die Kammer nicht, dass ich immer ein sehr glücklicher Narr war und es
noch bin. Ich habe für die Bewohner der hiesigen Gegend allerlei getan, und die
Leute wussten mir es Dank. Sie werden wohl gesehen haben, wie es mit ihren
Feldern, Häusern, Scheunen und Ställen steht; das nun machte mir so viele
Freude, dass ich gar nicht daran denken konnte, es mache andern Leuten Kummer.
Auch dachte ich so wenig daran, was es mir etwa kostete, dass ich mir gar nicht
einfallen ließ, die fürstliche Kammer, die doch dabei gewann, würde mir es
verargen. Aber sie sagen, ich sei nicht klug, verdürbe die hiesigen Bauern, die
unter andrer Leute Aufsicht ständen, und machte sie unzufrieden, weil die, unter
deren Aufsicht sie ständen, gescheitere Männer wären und man sie nicht darum als
Kammerräte über die Bauern gesetzt hätte, um solche Narren wie ich zu sein. Sie
sagen, ein Strich Landes müsse nach eben der Regel behandelt werden wie der
andere und der Kammerrat, welcher von dieser Regel abweiche,
