 glücklich machte; aber damit ich mich nicht mehr in den Fall setze,
zu einem Ihrer Anträge nein sagen zu müssen, so will ich es morgen tun.
    PRÄSIDENT: Auf einmal so eilig? - Und die Person, die den seltenen,
sonderbaren Mann gefangen hat?
    ERNST: Oheim!
    PRÄSIDENT: Warum so feierlich, Neffe? Wir sprechen ja nicht von
Staatssachen, über die wir so selten einig sind, wir sprechen ja nur vom
Heiraten.
    ERNST: Und doch ist mir diese Sache ebenso feierlich. Jene betreffen mein
Gewissen, diese mein Herz, und die Feierlichkeit ist, denke ich, bei jeder an
ihrer Stelle.
    PRÄSIDENT: Sie werden die Person vor lauter Feierlichkeit doch nennen
können?
    ERNST: Nicht eher, Oheim, als bis ich weiß, ob ihr mein Antrag nicht
missfällt.
    PRÄSIDENT: Er wird ja nicht!
    ERNST: So sind Sie der erste, der mir mein Glück weissagt.
    PRÄSIDENT: Neffe, dieses hätte Ihnen Ihr Verstand längst weissagen können.
Väter, die ihre Kinder nur solange zu ernähren imstande sind, als sie selbst von
dem Staate über ihr Verdienst ernährt werden, greifen gerne zu; und Töchter,
die, in Pracht und Üppigkeit auferzogen, künftige Armut im Prospekt vor sich
sehen, sagen selten nein, wenn ein Mann sich anbietet, durch den man das jetzige
Leben fortzusetzen hofft. Sie sehen doch, dass ich Ihrem Herzen auf der Spur bin?
Eine Sirene hat Sie mit ihren Zaubertönen gefangen, Neffe - habe ich recht? -
Nun, wohin? Hab ich es getroffen? Ich denke doch, dass der Oheim zu dem Besten
seines Neffen reden darf? dass der Neffe sich wird gefallen lassen, ihn
anzuhören?
    ERNST: Wenn ich gehe, so tue ich es nur, um den Neffen nicht vergessen zu
lassen, dass er vor seinem Oheim steht; denn dieses könnte leicht durch die Art
geschehen, wie der Oheim jetzt zu meinem Besten spricht.
    PRÄSIDENT: So vergessen Sie es denn! Sie taten es längst. Entsagen Sie allem
Gefühle der Verwandtschaft und tun Sie, was Sie vorhaben. Sie wollen die Tochter
des Ministers heiraten, des Mannes, den ich hasse, der mein Feind ist, dessen
Feind ich bin; das wollen Sie. Können Sie es leugnen? Können Sie leugnen, dass
die Sirene Sie mit ihrer Zauberkehle gefangen hat? Ich sehe alles durch, alle
Ihre Absichten und die Absichten gewisser Leute, aber ich sehe auch die Zukunft.
- Nehmen Sie die Person, feierlicher Neffe; bei Gott! sie wird Ihrem Herzen
Feierlichkeiten von ganz anderer Art bereiten.
    ERNST: Kann Ihr Hass Sie so verblenden, Oheim! Und wenn ich Sie nun fragte:
worauf gründet sich
