 den er verhüllet.
    Stumm gingen wir Hand in Hand den Berg hinab, wir vernahmen den Sturmwind
nicht vor der Stimme unserer Gedanken, und als wir in unsere Hütte traten, sagte
Julius: Ich werde den größten Gedanken des Menschen immer denken, unter dem
Tönen meiner Flöte, unter dem Brausen des Sturms und unter dem Fallen des warmen
Regens, und wenn ich weine, und wenn ich dich umarme, und wenn ich im Sterben
bin. - Und du, mein geliebter Horion, tue es auch.
                                                                       Emanuel.«
                                       *
Der kleine Erden-Kummer, die kleinen Erdengedanken waren jetzt aus Horions Seele
geflohen, und er ging, nach einem betenden Blick in den geöffneten
Sternenhimmel, an der Hand des Schlafs in das Reich der Träume hinein. - Lasst
uns ihn nachahmen und heute auf nichts weiter kommen. -
                           Ende des zweiten Heftleins
 
                                Drittes Heftlein
                                26. Hundposttag
    Drillinge - Zeusel und sein Zwillingbruder - die aufsteigende Perücke -
                         Entdeckung von Spitzbübereien
Wenn ich in Koventgarden über das Trauerspiel geweint hätte: so würd' ich doch
im Epiloge bleiben, den sie nachher halten, ob ich gleich über ihn lachen müsste.
Allein nur aus dem Trauerspiele führt ein Quergässchen in das Lustspiel, aber
nicht aus dem Heldengedicht; kurz der Mensch kann nach dem Erweichen, aber nicht
nach dem Erheben lachen. Ich darf es daher nie verstatten, dass ein Vielleser
sogleich nach dem 25sten Kapitel dieses anfange. Wenn man überhaupt selber
zusieht, wie sie einen lesen - nämlich noch fünfmal elender, gedankenloser,
abgerissener, als man schreibt - (ich rede bloß von Fleiß: Kenntnisse fallen von
selber beim Lesen weg, und die Autorfeder kann die Lebengeister des Lesers, wie
der Pumpenstiefel das Wasser, doch nur auf eine gewisse Höhe ziehen) - wie sie
bei den besten Stellen zwei Blätter auf einmal umwenden, bald zwei
ungleichartige Kapitel entern lassen, bald in vier Wochen erst ein Kapitel gar
hinauslesen, das in einer Sitzung hätte durchsein sollen - wie solche klassische
Leser oft kurz vor einem Besuche oder unter dem Andrehen oder gar Ansengen der
Haarwickel oder unter dem Auskämmen der Haare (die gar das erhabenste Kapitel
einpudern) letztes lesen oder ein rührendes unter dem Keifen mit der ganzen
Stube - wenn man bedenkt, dass unter solche Leser die meisten Scheerauer und
Flachsenfinger gehören, und bloß die Leserinnen nicht, die sich in alle Bücher
und Männer einzuschiessen wissen, und denen einerlei ist, was sie lesen oder
heiraten - und wenn man gar die traurige Betrachtung macht, dass, wenn über diese
Leser nicht einmal der Lesegroschen, den sie fürs Buch bezahlen müssen, so viel
Gewalt besitzt, um sie zum Genuße rührender und erhabner Blätter zu vermögen,
dass es dieser lange Periode noch weniger erzwingen werde: so
