 eiserne Kugeln
mit Sporen über den Buckel gelegt werden; wenn sie nun anfangen zu laufen, so
stechen sie sich damit selbst und ganz freiwillig, weil die Kugeln immer hin und
her gehen. Wenn die Pferde nur etwas mehr Verstand hätten, so könnte man sie auf
die herrlichste Art ganz allein Kurier reiten lassen, aber dazu fehlt ihnen noch
bis jetzt die Einsicht, ob ich freilich wohl in England ein paar Pferde gesehen
habe, die so viele Kunststücke machten, dass sie gewiss mehr Verstand haben
müssen, als etliche von meinen besten Freunden; ja manches darunter hätte ich
selber nicht nachmachen können. Aber die Gaben sind oft wunderlich verteilt.
    Von den Gemälden und vielen andern Sachen, die wir hier alle Tage besehen,
kann ich nicht viel halten, ich weiß freilich nicht warum, aber sie gefallen mir
doch nicht recht. Mitunter sind einige freilich wohl recht schön, manchmal ist
das Obst so natürlich, dass man es essen möchte, von diesen hält mein Herr und
Herr Rose aber gar nicht viel. Aber wenn ein Gemälde gut sein soll, so muss es
doch die Sache, die es nachmachen will, so natürlich nachmachen, dass man sie
selber zu sehen glaubt; aber das ist bei den übrigen großen Gemälden gar nicht
möglich. So glaub ich immer, dass die Maler aus der römischen Schule, (so heißen
die Gemälde, die mir nicht gefallen wollen) keinen recht guten Schulmeister
gehabt haben, der nicht strenge genug mit ihnen umgegangen ist, oder er hat
selber seine Sachen nicht recht verstanden, denn sonst würden sie wohl vieles
besser und natürlicher gemacht haben. - Herr William hält aber diese Gemälde
gerade für die schönsten; ich glaube aber, dass Herr Rose daran schuld ist, weil
der aus Rom gebürtig ist.
    An den Statüen finde ich auch nichts Besonders; die, welche sich als Antiken
ausgeben, wollen mir gar nicht gefallen, diese sollen viele tausend Jahr alt
sein, aber das Alter ist vielleicht das Beste an ihnen; manche sehen auch schon
ganz verfallen und ungesund aus. An allen diesen Arten von Künsten ist nicht
viel, es sind mit einem Worte brotlose Künste.
    Lebe wohl, lieber Bruder Thomas, und denke oft an mich; ich denke sehr oft
an Dich, und wünsche Dich oft her, besonders wenn mir die Zeit lang wird, und
das ist doch manchmal der Fall. Bleibe mein Freund, wie ich
                                                                    Dein Bruder.
 
                                       7
                        William Lovell an Eduard Burton
                                                                        Florenz.
Mein Eduard, ich schreibe Dir nun schon aus dem Mittelpunkte von Italien, aus
der freundlichsten Stadt, die ich bis jetzt gesehen habe, die in der
fruchtbarsten Ebne und unter den anmutigsten Hügeln und Bergen liegt. Hier, wo
die Kunstwerke der
