 hörten wir hinter uns etliche Schüsse - und
nun, Thomas, hättest Du sehen sollen, wie alles so geschwind aus dem Wagen
sprang und wie schnell ich von meinem Bocke herunter war - es war, als hätten
wir alle auf Pulver gesessen, das eben anbrennen wollte. - Wer geschossen hatte,
das war niemand anders als mein Herr William, fünf Spitzbuben und der junge
Ferdinand gewesen; einer lag schon davon tot auf dem Boden, das war aber zum
Glücke nichts weiter, als einer von den Spitzbuben. Der Herr William sagte uns,
er wäre in großer Gefahr gewesen, aber Ferdinand hätte ihm meistenteils durch
seine Kourage sein Leben errettet, worüber wir uns denn alle gar gewaltig
wunderten, besonders aber der Herr Rose, denn man sieht es wirklich dem jungen
Burschen gar nicht an; aber so geht es oft in der Welt, Thomas, der Schein
betrügt und aus einem Kalbe kann mit Gottes Hilfe bald ein Ochs werden, und
darauf hoffen wir auch alle jetzt bei dem jungen Ferdinand, aus dem gewiss noch
mit der Zeit ein ganzer Kerl wird, da er schon so früh anfängt, sich tapfer zu
halten. - Er eben hatte den einen Spitzbuben totgeschossen und war einem andern
mit seinem Hirschfänger nachgejagt, als sich mein Herr indes mit den andern
beiden herumbalgte. So waren sie endlich Sieger geworden. Mir tut es leid, dass
ich dabei nichts weiter habe tun können, als zusehn, und auch das nicht einmal
recht, denn wir kamen erst hin, als alles schon vorbei war. Ich hätte mich mit
Herzenslust auf meine alten Tage noch gern einmal mit jemand durchgeschlagen und
wär's auch nur ein Spitzbube gewesen, denn sie sind im Grunde doch auch
Menschen, und wenn sie anfangen zu schießen und stechen, so treffen ihre Kugeln
oft besser, als die von ehrlichen Leuten: wie denn die ehrlichen Leute überhaupt
selten so viel Glück haben, als die Spitzbuben; ich denke immer, dass es eine
kleine Genugtuung für sie sein soll, dass sie nicht ehrlich sind; - doch, das
weiß Gott allein am besten, und darum will ich mir den Kopf darüber nicht
zerbrechen.
    Wir sind jetzt in Florenz, aber schade, dass wir etwas zu spät angekommen
sind. Da hab ich nämlich mit Wunder und Erstaunen gehört, wie hier mitten im
Sommer viele Pferde ein großes Wettrennen halten müssen, ganz allein nämlich und
nach ihrem eignen Kopfe; ich meine nämlich, dass keiner darauf reitet. Das muss
herrlich anzusehen sein, und es sollen auch dann immer eine große Menge von
Menschen hieherkommen, um es zu sehen. Das ist nun auch gewiss der Mühe wert. Was
das lustigste dabei ist, ist, dass den Pferden bei der Gelegenheit
