 was ich Dir wohl zu
sagen haben könnte. Ich möchte den Brief gar gern ins Feuer werfen, aber es reut
mich dann, dass ich ihn einmal angefangen habe, und einen Brief musst Du doch
irgendeinmal von mir bekommen, daher will ich nur einen dreisten Trott
fortreiten, ohne mich um die Künste eines Schulpferdes zu bekümmern. Wenn es nur
Worte sind, so hab ich die Rechnung bezahlt, und ich habe mir einmal
vorgenommen, dass das, was ich hier angefangen habe, ein Brief werden soll, und
nun soll er auch wahrhaftig zustande kommen, und sollt ich mich genötigt sehen,
einige rührende Betrachtungen über die Entfernung zweier Freunde mit einfliessen
zu lassen.
    Ich fange an, mir hier in Bondly zum Teil weniger, zum Teil besser als
ehedem zu gefallen. Der gänzliche Müßiggang behagt mir nicht recht, und doch
würd es mir schwer werden, ihn aufzuheben. Der Mensch ist ein wahres Kind, er
weiß nie recht, was er eigentlich will, er schreit und heult, und eine blecherne
Klapper kann ihn zufrieden und glücklich machen; im folgenden Augenblicke wird
sie wieder weggeworfen, und er sieht sich um, was er denn nun wohl wünschen
könne. Glücklich ist dabei noch immer der, der einer Klapper oder einer Rosine
habhaft werden kann: mischt sich aber die liebe Langeweile ins Spiel und ein
gewisses nüchternes Gefühl, das einem im Leben so oft zur Last fällt, kann man
keine Hoffnung und keinen Wunsch in seinem Gedächtnisse auftreiben; ist das
Steckenpferd lahm, oder gar zu Tode geritten - o wehe dir dann, armer
Sterblicher! entweder musst du dann ein Philosoph werden, oder dich aufhängen.
Diese Langeweile hat schon mehr Unglück in die Welt gebracht, als alle
Leidenschaften zusammengenommen. Die Seele schrumpft dabei wie eine gedörrte
Pflaume zusammen, der Verstand wächst nach und nach zu, und ist so unbrauchbar
wie eine vernagelte Kanone; alles Spirituöse verfliegt - da sitzt man denn nun
hinter dem Ofen und zählt an den Fingern ab, wann das Abendessen erscheinen
wird; die Stunden sind einem solchen Manne länger, als dem, den man am Pranger
mir Äpfeln wirft; man mag nichts denken, denn man weiß vorher, dass nur dummes
Zeug daraus wird; man mag nicht aufstehn, man weiß, dass man sich gleich wieder
niedersetzt, das drückende Gefühl geht mit, wie das Haus mit der Schnecke. - O
Mortimer, Linsen durch ein Nadelöhr zu werfen, ist dagegen eine geistreiche
Beschäftigung - und wie viele Menschen vergähnen auf dieser Erde nicht so ihr
Leben? - Die magnetische Anziehungskraft erlahmt ohne Übung, ungeschlagen
springt kein Funke aus dem Stahle, ungerieben zeigt sich keine Elektrizität an
der Glasscheibe - kein Verstand, kein Gefühl am Menschen ohne Tätigkeit,
