 Besinnung; als ich wieder zu mir selbst kam, sah ich ihn
nirgend. - Aber ich muss ihn finden! - Wüsst ich nur, wohin ich mich wenden
sollte! - In welchen Schlupfwinkel hat sich der Elende jetzt vor meiner Wut
verkrochen? - Aber darüber bin ich unbesorgt; endlich muss ich ihn treffen,
Emiliens Geist wird meine ungewissen Schritte leiten: fand ich ihn doch da, wo
ich ihn am wenigsten vermutet hatte.
 
                                  Zehntes Buch
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                           Mortimer an Eduard Burton
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In einigen Wochen komme ich zu Ihnen, und dann will ich mit eigenen Augen die
Verwandlungen in Bondly betrachten, die ich bis jetzt nur aus Beschreibungen
kenne. Ihr Schwiegervater hat mir in mehreren Briefen davon geschrieben, und
alles hat meine Neugierde äußerst rege gemacht. Durch gewisse Torheiten kann
mich ein Mensch sehr zu seinem Vorteile einnehmen. Ich mag die Eitelkeit nicht
so grimmig anfeinden, die den Menschen oft aufrecht hält, wenn ihn alles übrige
verlässt; sie ist eine gutmütige Torheit, die ihn über alle seine übrigen
Torheiten tröstet, sie ist der Wundarzt in der Welt des Menschen, und der Mensch
leidet gewiss am meisten, wenn dieser sein Chirurgus krank darniederliegt; wenn
ihn die Eitelkeit verlässt, oder er seine Eitelkeit verachtet, so durchlebt er
die unglücklichsten Stunden seiner Existenz. Wenn sich nun ein Mann irgendein
Spielzeug aussucht und sehr ernstaft damit umgeht, soll man ihn denn deswegen
tadeln? Im Grunde sind überhaupt die Menschen gut, man sollte sich nicht
anmassen, über die feinen Nuancen und Schattierungen ein Urteil zu sprechen, denn
indem mir die eine Torheit anklebt, muss ich notwendig eine andre falsch
beurteilen, und durch Torheit sind doch Menschen den Menschen verwandt, man
sollte daher nicht immer selbst so viel von den Familienfehlern sprechen. -
 
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                      Thomas an den Herrn Ralph Blackstone
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Wohlgeborner Herr!
Ich habe die Ehre Ihnen zu melden, dass ich mit den Einrichtungen des hiesigen
Gartens, so zu sagen, über Hals und Kopf beschäftigt bin. Es bringt mir viele
Mühe, aber ich denke immer, es soll mir auch einige Ehre bringen, und damit gebe
ich mich denn über die Mühe zufrieden. Dieselben werden wissen, dass wir in
dieser Welt fast gar nichts ohne Mühe haben, und obgleich die gemeinen Leute
immer zu behaupten pflegen, umsonst sei der Tod, so müssen sich doch die meisten
ganz außerordentlich bemühen, ja fast quälen, ehe sie nur ans eigentliche
Sterben kommen; ich meine nämlich die letzten Züge, in denen man immer zu liegen
pflegt; mit dem letzten Atemholen müssen wir das bequeme Luftolen für unser
ganzes Leben bezahlen.
    Der Garten hier ist in einige Unordnung geraten; ich muss Ew. Wohlgeboren die
Ehre haben zu versichern, dass ich hier sonst
