 leer;
ich muss jetzt so armselig wetten, sehen Sie, weil ich, unter uns gesagt, nicht
mehr viel Geld übrighabe. So geht's in der Welt! -
    Was machen Sie jetzt? Ich habe seit lange nichts von Ihnen gehört. Wie kommt
das? Sie sind im Briefschreiben noch saumseliger als ich, das ist ein großer
Fehler von einem Menschen, der ein guter Freund sein will. - Apropos von guten
Freunden! Ich glaube, ich habe keinen einzigen mehr in Paris, seit die Leute
merken, dass ich kein Geld mehr habe: das ist eine magnetische Kraft des Metalls,
die man bis jetzt noch nicht bemerkt hat; die Naturgeschichte könnte dadurch
eine große Verbesserung erleiden. Denn was die Leute oft Liebe, Instinkt,
Sympatie, häusliches Glück nennen - was ist es oft anders, als die Attraktion
des gemünzten Metalles?
    Ich muss fort. Man wartet beim Spieltische auf mich. Es wäre doch viel, wenn
man das Glück nicht zwingen könnte. Sterben will ich eher, als verlieren: die
Leute nennen es Aberglauben, wenn man manches beim Spiele beobachtet, aber ich
habe mir eine Menge von Sachen ausgedacht, die gewiss helfen, und die kein
Aberglaube sind. - Was nennen wir denn Aberglauben? Haben wir eine andre
Weisheit? Eine ohne Aberglauben? Am Ende ist es ein Aberglaube, dass ich
existiere; ein Satz, den ich so auf gut Glück annehme, weil es mir so vorkömmt.
Aber wer ist jenes Ich, dem es so vorkömmt? - Die Frage kann mir keiner
beantworten, und das wäre doch wahrhaftig äußerst notwendig.
    Leben Sie wohl, Rosa, und schicken Sie mir bei Gelegenheit etwas Geld; denn
wenn ich auch gewinne, es kann nie schaden, wenn man Geld hat, das werden Sie
hoffentlich auch zugeben. - Was machen unsre übrigen Freunde? Ich kann mir
denken, wie sich Andrea nach mir sehnt; trösten Sie ihn, denn ich werde bald
zurückkommen.
 
                                       19
                                Betty an Amalie
                                                                         Bondly.
O liebste, liebste Freundin! Ich kann Ihnen noch immer nicht beschreiben, wie
mir zumute ist. - Wir haben Sie recht hieher gewünscht und Ihre Kränklichkeit
recht bedauert; bei der Hochzeit nämlich. Mein Vater hat mir freilich wohl
gesagt, ich soll mich in meinem Glücke nicht übernehmen, aber das lässt sich
leicht sagen und schwer tun. Ich weiß immer noch nicht, wie mir zumute ist, ich
ziehe mich manchmal am Arme, um zu erwachen. Wenn ich im Garten oder im Dorfe
spazierengehe, so grüßen mich alle Leute sehr freundlich, und betrachten mich
als ihre Herrschaft; Eduard darf ich bei seinem Vornamen und ihn Du nennen,
denselben Menschen, den ich bis jetzt nur aus
