
zweiten Bildes in ihm angesagt. Sie kam jetzt durch sanfte, nicht wie sonst
scherzhaft-springende Übergänge von seinem Maler-Lohn und von den Nachteilen
seiner Erziehung auf die Vorbereitungen zu seiner Legationrolle - sie deckte
ihm, aber mit langsamer vertraulicher Hand, seinen Mangel an Welt auf - sie bot
ihm ihren Zutritt zu sich an und lud ihn zum Souper auf morgen ein. - »Aber
vormittags«, setzte sie lächelnd hinzu, »kommen Sie nicht schon; Beata will
durchaus nicht gemalet sein.«
    - - Der Leser hat im ganzen Buche noch nicht drei Worte reden oder schreiben
dürfen: jetzt will ich ihn ans Sprachgitter oder ins Parloir lassen und seine
Fragen nachschreiben. »Was hat denn« - fragt er - »die Residentin vor? Will sie
aus Gustav ein gezähntes Kammrad schnitzen, das sie in irgendeine unbekannte
Maschine setzt? - Oder bauet sie den Jägerschirm und zwirnt die Prallnetze, um
ihn zu fällen und zu fangen? - Wird sie wie jede Kokette dem ähnlich, der ihr
nicht ähnlich werden will, wie nach Platner der Mensch das, was er empfindet, so
sehr wird, dass er sich mit der Blume bückt, und mit den Felsen hebt?«
    - - Der Leser bemerke, dass der Leser selber hier Witz hat, und gehe weiter!
- -
    »Oder« (geht er also weiter) »geht die Residentin nicht so weit, sondern
will sie aus Edelmut, worüber man oft die optischen Kunststücke ihrer Koketterie
verzeiht, den schönsten uneigennützigsten Jüngling aus den schönsten
uneigennützigsten Gründen aufsuchen und ausbilden? - Oder könnens nicht auch
alles bloße Zufälle sein - und nichts leuchtet mir so ein -, an welche sie, als
Rennerin durch Lustaine, die flatternde Schlinge eines halben Planes fliehend
befestigt, ohne in ihrem Leben am andern Tag nach dem strangulierten Fang der
Dohnenschnait im mindesten zu sehen? - Oder irr' ich gänzlich, lieber Autor, und
ist vielleicht von allen diesen Möglichkeiten keine wahr?« - Oder, lieber Leser,
sind sie alle auf einmal wahr, und du errätest darum eine Launenhafte nicht,
weil du ihr weniger Widersprüche als Reize zutrauest? - Der Leser bestärket mich
in meiner Bemerkung, dass Personen, die niemals die Gelegenheit haben konnten,
der großen Welt tägliche Klavierstunden zu geben (wie z.B. leider der sonst
treffliche Leser), zwar alle mögliche Fälle irgendeines Charakters vorzurechnen,
aber nicht den wirklichen auszuheben vermögend sind. - Übrigens verlasse sich
der Leser auf mich (der ich schwerlich ohne Grund Vorzüge verkleinern würde, die
mir selber ansitzen), übrigens hat er die Armut an gewissen konventionellen
Grazien, an gewissen leichten modischen und giftigen Reizen, die ein Hof nie
versagt, weit weniger zu
