
und den Duft-Nimbus darum. Eine solche Tochter eines solchen Vaters! Das heißt,
die Rose blüht auf einem schwarzen, im Schmutze saugenden Wurzelgeflecht.
    Ich bin dort, sie zu heilen; der Alte will für sein Geld was haben; aber in
Maussenbach bedenkt kein Mensch, dass der Abt Galiani, den man vier Tage vor
meiner Abreise aus Italien begrub, gesagt hat, dass die Weiber ewige Kranke sind.
Jedoch bloß an Nerven; die Gefühlvollsten sind die Kränklichsten; die
Vernünftigsten oder Kältesten sind die Gesündesten. Wenn ich ein Fürst wäre: ich
resolvierte fürstlich und setzte in einem allerhöchsten Reskript Hausarrest
darauf, wenn eine Frau auch nur einen einzigen Medizinlöffel austränke. Ihr
armen hintergangnen Geschöpfe, warum habt ihr so viel Zutrauen zu uns Männern
überhaupt und zu uns Doktoren insbesondere und lasset es euch gern gefallen, dass
wir, die Arzneigläser wie in einer Reiheschank verzapfend, euch auf einem
Medizinwagen so lange spazieren fahren, bis wir euch auf den Leichenwagen
abladen? ... So sagt' ich manchmal zu ihnen; und dann nahmen sie alle Arzneien
noch lieber ein, die ich ihnen verordnete.
    Die einzigen Arzneien, die Weibern mehr nützen als schaden, sind höchstens
Kleider. Nach vielen Naturforschern verlängert das Mausern das Leben der Vögel;
aber auch das der Weiber, setz' ich dazu, die allemal so lange siechen, bis sie
wieder ein neues Gefieder anhaben. Aus der Terapeutik lässt sichs schlecht
erklären; aber wahr ists; und je vornehmer eine ist, mithin je kränklicher,
desto öfter muss sie sich mausern, wie auch der Sumpfsalamander sich alle fünf
Tage häutet. Ein weiblicher Krebs, der auf eine neue Schale wartet, hockt
erbärmlich in seinem Loche. Jedes Gift kann ein Gegengift werden; und da gewiss
ist, dass Kleider Krankheiten geben können, z.B. die Hektik, Pest etc.: so müssen
sie unter Anleitung eines vernünftigen Arztes auch Krankheiten heben können. Ein
aufgeklärter Medikus wird meines Bedünkens, wenn die Hällische Hausapoteke,
d.i. die Kleiderkommode, nichts hilft, aus keiner Apotheke als aus dem
Auerbachischen Hofe in Leipzig rezeptieren. Da du mancher Presshaften damit
beispringen kannst: so will ich dir aus meiner weiblichen materia medica
folgende offizinelle Halstücher, Kleider etc. hersetzen:
    Stahlarzneien sind Stahlrosetten und Stahlketten. Der Stahl- und Magenschild
des atlassenen Gürtels erwärmt den Magen und andre intestina sehr.
    Die Edelsteine, die sonst aus Apoteken gegeben wurden, sind noch jetzo
äußerlich gut zu gebrauchen.
    Blumenbouquets, sobald sie von Seide sind, sind probate Arzneipflanzen und
stärken durch den Geruch das Gehirn.
    Schals sind Brustarzneien, und nicht ein roter Faden (welches Aberglaube
ist), sondern ein Halsband mit einem Medaillon ist nach neueren Ärzten
