 darauf angelegt, dass der Junker selbst etwas
versuchen, selbst etwas erfahren sollte; vielmehr ward die Geschichte ihm als
Spiegel, Regel und Riegel aufgeschlagen und ihm die Versicherung gegeben, dass
schon andere für ihn versucht und erfahren hätten. Wer wird denn auch auf eine
französische Revolution und dergleichen calculiren? Mein Held ward ein Held aus
Büchern und lernte reden, handeln aber nicht. Wenn das Dichten und Trachten des
Menschenkenners dahin geht, dass der Lehrling alles aus sich selbst herausziehe,
dass das Kind durch seine eigenen Handlungen lerne, dass seine Handlungen ihm
Fibel und Katechismus werden, so war hier die Geschichte das Götzenbild, welches
angebetet ward. Wahrlich! was in der Geschichte nicht übertrieben wird - und das
ist vom Übel - geht täglich vor unsern Augen vor. Ob Fingerlein oder Goliat,
ob in Seide oder im Kittel - Mensch ist Mensch. Voltaire ist wahrlich einer der
ehrlichsten Geschichtschreiber; denn er dichtete so unverhohlen und war so
dreist, dass ein jeder wusste, woran er war. Die aber, die sich ängstlich den Kopf
zerbrechen, welches doch wohl die geheime Triebfeder gewesen sei, die dies und
das ans Licht gebracht habe, die sich Mühe geben, Wahrheit von lügenhaften
Nachrichten zu destilliren, bedenken nicht, dass wenn zwei Menschen einerlei
sehen, wenn zwei Menschen einerlei hören, jeder anders gesehen und gehört hat,
und dass niemand weiß, was im Menschen ist, als der Geist in ihm. - Kindern die
Geschichte! Ein Mann, dem der Kopf am rechten Orte sitzt, weiß freilich zur
Not, was ein ehrlicher Kerl tun kann, und da die Menschen einander
erschrecklich gleichen, wie es denn so ungefähr zugegangen sein wird. Ihm kann
die Geschichte nützlich und selig werden. Ein Kind aber - was soll das mit der
Geschichte, die seine Jahre und seine Kräfte übersteigt? Legte man Kindern
Kinder- und Jünglingen Jünglingsgeschichte vor: - immerhin! Dann wäre dieser
Einwand gestürzt, allein darum auch jeder andere? Was soll aber dem Kinde und
dem Jünglinge die Rüstung des Mannes? - Ich fand diese Einwendungen als Glossen
und mit vergelbter Tinte hinzugefügt: »Quae qualis quanta!« Mit dem
                                     §. 26.
                                        
                                     Türken
ward die Geschichte angefangen. Natürlich! da der Herr Vater des Lehrlings
Johanniterordensritter war. Der Hofmeister hatte einen göttlichen Beruf, mit dem
Volke Gottes anzuheben, um, wie er sich ausdrückte, die Pferde nicht hinter den
Wagen zu spannen; aber was war zu machen, da der Ritter den Türken auf den Leib
gebannt war? - in der Geschichte nämlich. - Nie konnte unser Ritter an den
elenden Anfang der Türken denken, ohne zu bedauern, dass nicht schon damals der
Johanniterorden existiert hätte. Freilich! warum, sagte
