 andre, eben so romanhaft gestimmte
Frauenzimmer, die Person des Entführers, den Herrn Hauptmann Previllier, als
einen Erz-Bösewicht geschildert und das entlaufene Jüngferchen tausendfach Not
und Elend, als die Folge dieser Verirrung, haben erleben lassen. Verdient hätte
es das Mädchen und ich hätte da Stellen anbringen können, bei welchen selbst dem
Setzer dieser Bogen Tränen über die Backen geträufelt wären; aber Wahrheit
bleibt Wahrheit. Diesmal glückte es nun freilich mit der Entführung, denn der
Offizier war ein Biedermann; aber hätte er nicht eben so wohl ein Schuft sein
können? - Und wie hätte es dann mit ihr ausgesehn? Mademoiselle! Was meinen Sie
dazu? -
    Und das führt mich nun zu den moralischen Lehren, die sich, sowohl bei des
Herrn Deckelschalls und seines Weibes, als bei der holden Meta Geschichte
anbringen lassen und worauf ich fleißig Acht zu geben bitte; denn je seltener
einen Autor das Moralisiren anwandelt, um desto größeren Anspruch darf er ja wohl
auf die Aufmerksamkeit der Leser machen; also
    Erstlich: Wer in dieser Welt fortkommen will, der tut wohl, wenn er so
irgend etwas lernt, womit man im bürgerlichen Leben Brod verdienen kann, es
müsste denn sein, dass sein Magen so geschaffen wäre, dass er vom Schimpfen auf die
verkehrten Welt-Einrichtungen satt würde;
    Zweitens: Wer heiraten will, tut nicht übel, wenn er vor der Hochzeit
überlegt, wovon er nebst Frau Gemahlin leben wolle; wobei er nicht gar zu viel
auf die Gastfreundschaft seiner Verwandten und die Hilfe der Menschenfreunde
rechnen darf.
    Drittens: Menschen, die zu sonst nichts in der Welt brauchbar sind, sollen
keine Erziehungs-Institute anlegen, noch überhaupt sich mit Bildung Andrer
abgeben, was für Beispiele man auch vom Gegenteile anführen möchte.
    Viertens: Für junge Leute sind alle Romane gefährlich, außer, versteht sich,
die, welche wir geschrieben haben und, will's Gott, noch schreiben werden, wenn
wir immer Verleger finden, die sich von uns ankörnen lassen;
    Fünftens: Man vertraue einen Hühner-Hund, der abgerichtet werden soll,
unmassgeblich niemand an, den man nicht selbst geprüft hat, ob er das Ding auch
verstehe. Item dieselbe Regel ist zu beobachten, wenn man sein Kind einem
Fremden zur Erziehung übergeben will;
    Sechstens: Wer seiner Tochter einen Mann anheiraten will, kann allenfalls
gelegentlich, bevor er die Sache gänzlich in Richtigkeit bringt, das Mädel
fragen, ob sie den Kerl auch leiden mag; Sonst gibt's zuweilen Unglück;
    Siebentes: Mit dem Entführen ist es eine misliche Sache und nimt nicht
selten ein lamentables Ende.
    Diese sieben Moralien scheinen beim ersten Anblicke ganz gemein und
gleichsam trivial; allein nicht nur ist das bei allen moralischen Sätzen der
