
Kapelle, und ich hab's geschworen, kein anderer soll ihn drum bringen. - Auch
Herr Bering und Herr Kamp rühmen ihn sehr, und da Georg ihn nun alle Tage fein
ordentlich frisieret, so würdest Du viel Freude an ihm erleben. Von diesem
kleinen Heinrich verkündigt Heinrich der Große, dass er bei unserm Geschlecht
dereinst in hohem Ansehen stehen, und zu großen Ehren gelangen werde. In der Tat
wird seine Bildung täglich einnehmender; er hat nicht mehr die hohlen Backen,
noch die abgestümpften Haare; sondern ein rundes Gesicht, mit hübschen Locken
eingefasst, und ist gepudert obendrein. Aber, ach, der Knoten, der Knoten unter
dem Kinn! Beim Ansehen nimmt man ihn nicht wahr; aber ich hab ihn in allen
Fingerspitzen, und kann mir ihn unmöglich aus dem Sinn schlagen. - Nun, das
heißt von Buben geschwätzt! Wenn Dir's diesmal Langeweile macht, so bedenke,
liebe Sylli, dass Du mich durch Deine herzwillige Teilnehmung an all dergleichen
verwöhnt und verstockt hast. Gegen andre Leute rede ich - Ich höre Klerdon!
 
                                                                  Sonntagmorgen.
Es ist schon neun Uhr. Ich schlief bis halb sieben, und erschrak fast so sehr,
als ob ich - mich tot fände. Lass mir das Gleichnis, und höre weiter. Ich bin im
Negligé; öffne die Tür: - Was um des Himmels willen? - ja gewiss! Denk, Sylli, da
sitzt meinem Klerdon gegenüber ganz impertinent in meinem Sessel Eduard, und
lässt sich's wohl schmecken aus meiner Schale. Ich wollt ihm in die Haare; aber
er rief aus allen Kräften: »Warten Sie doch, ich bin ja nicht frisiert!« Der
junge Mensch hatte recht; ich beschied ihn auf den Mittag. Nun ward mir
bedeutet, er habe meinen Kaffee bloß deswegen zu sich genommen, weil er kalt
gewesen wäre, und mir ein besseres Frühstück gebührte. Es war auch schon dafür
gesorgt. Im Kamin stand ein Schokoladentopf, welchen, mit allem Zubehör, der
wackere Ritter im Hui auf der Serviette hatte, und hernach mit dem besten
Anstande mir bediente. War das nicht sehr artig, Sylli? Aber, Du magst es
glauben oder nicht, unser Beisammensitzen und Geschwätz war doch wohl ebensoviel
wert. Beide Mannsleutchen sagten gar herrliche Dinge, so dass ich mit Mühe
überwand, da mein Stündlein erschien, von dannen zu scheiden.
    Nun ist in meinem Hauswesen alles bestellt, meine Toilette gemacht, und für
Dich noch eine Stunde aufgehoben. Heinrich, Karl und Ludwig wurden gestern
abends nach Hainfeld4 abgeholt, wo sie bis morgen bleiben; und so kam heut
Ferdinand ganz allein »Morgen sagen«; denn der arme Edmund, wie Du weißt, sagt
noch nichts
