 Leute, die vom Hofe abhängen, Bedienungen haben oder dergleichen für
sich und die Ihrigen suchen, versammeln sich da. Der Bevollmächtigte des Fürsten
hält da eine Rede, worin er landesväterliche Grundsätze auskramt, fordert dann
neue Abgaben, und die Deputierten - verwilligen. Die Versammlungen werden in die
Länge gezogen, damit man mehr Diäten gewinne, und die Bürden, die das Land
drücken, werden von Jahr zu Jahr größer.
    NEGUS: Das ist freilich traurig; aber am Ende bleibt doch dem, welchen man
gar zu arg misshandelt, der Weg der Justiz übrig, die, wie mich dein Vetter
versichert, in Deutschland, sogar gegen den Fürsten selber, unparteiisch
durchgreift.
    ICH: Das ist wahr; allein dem sei der Himmel gnädig, der in Deutschland
einen Prozess zu führen hat! Kostbarer und weitläufiger kann wohl in keinem Lande
die Justiz verwaltet werden als bei uns. Unsre Streitigkeiten werden nach den
Sammlungen der alten römischen Gesetze entschieden; diese Gesetze sind voll von
Albernheiten und Spitzfindigkeiten, passen nicht auf unsre Zeiten, auf unsre
Verfassung und lassen sich auf zehnfache Weise auslegen. Es gibt eine eigne
Klasse von Menschen, die bloß davon leben, dass sie die Prozesse in die Länge
ziehen und die Gesetze verdrehen. Niemand darf mündlich und klar seine Sachen
vortragen, sondern alles muss schriftlich durch die Hände der Advokaten
verhandelt werden. Über die Beendigung der einfachsten Streitigkeiten, welche
die gesunde Vernunft in zwei Minuten entscheiden könnte, verstreicht eine ganze
Lebenszeit, und wenn unzählige Riese Papier sind verschrieben worden, so haben
beide Parteien mehr an Gerichtsgebühren und Prozesskosten bezahlt, als der ganze
Gegenstand des Streits, vielleicht mehr als ihre Habe und Gut wert ist. Zu
dieser Menge unnützer römischer Gesetze kommen denn noch in jedem Staate
ungeheuer viel besondere Landesverordnungen, die niemand im Gedächtnisse behalten
kann und deren eine die andre aufhebt. Noch sind die Parteien glücklich und
können wenigstens hoffen, dass endlich einmal ihr Rechtshandel entschieden werden
wird, wenn sie in einem Lande wohnen, wo die Appellationen nicht nach Wetzlar
gehen; denn wer das Elend erlebt, bei dem Reichskammergerichte einen Prozess
anhängig zu haben, der ist sehr zu beklagen. Dort bleiben jährlich viel hundert
Sachen liegen, wovon die zeitliche Glückseligkeit so mancher Familie abhängt.
Und das kann, bei dem besten Willen der dortigen Richter, der einmal
eingeführten Form nach gar nicht anders sein. Nun setzen Euer Majestät den Fall,
dass einem von den unzähligen Herren über Leben und Tod, die in Deutschland ihr
Wesen treiben, dass es einem von den kleinen Fürsten einfällt, aus meiner Haut
Riemen zu seinen Parforce-Peitschen schneiden zu lassen, wie sie denn zuweilen
gar sonderbare Grillen haben, und ich sterbe nun an einer solchen Operation, so
hat denn freilich
