 stürzen? Solche Dinge einem Monarchen zu
sagen! - Hat man je so etwas gehört? Mich wundert, dass er Euch nicht auf der
Stelle hat spiessen lassen. Nun, gottlob! dass es so abgelaufen ist! Aber ich rate
es Euch, vorsichtiger zu werden, sonst werde ich der erste sein, der seine Hand
von Euch abzieht.«
    Als mein Vetter also sprach, glaubte ich, es sei grade Zeit, mich ein für
allemal bei ihm in Ansehen zu setzen; ich ging also ernstaft auf ihn zu,
runzelte ein wenig die Stirn und sprach mit Nachdruck folgendes zu ihm: »Herr
Minister! ich muss es Euch gradeheraus sagen, dass mir dieser Protektorston gar
nicht gefällt. Wer immer grade und redlich handelt, bedarf keines Schutzes, und
wer nicht eher redet, als bis er gefragt wird, und dann, wenn es Pflicht ist, so
redet, wie es Rechtschaffenheit und Wahrheit fordern, der hat nicht Ursache,
irgend jemand zu fürchten. Drohen aber lasse ich mir nun vollends von niemand
auf der Welt. Wenn Ihr geglaubt habt, Ihr würdet aus mir hier einen Sklaven
machen, der kein andres Wort über seine Lippen brächte, als was Ihr ihm
vorschriebet und was in Euren Plan passte, so hättet Ihr mich lieber in Goslar in
meiner Armut lassen sollen. Ich mag keines sterblichen Menschen Maschine sein.
Hoferfahrungen habe ich freilich wenig; aber das finde ich doch auch hier
bestätigt, was ich immer geglaubt habe, dass die Fürsten selbst nicht so schlimm
sind als die, welche sie umgeben. Ihr seid es, welche diese Menschen verderben,
indem Ihr aus knechtischer Furcht sie in ihren schädlichen Grillen durch
untertänigen Beifall bestärkt oder gar, aus niedrigen Nebenabsichten, ihnen
gefährliche Grundsätze in den Kopf jagt. Ihr seht es, Herr Vetter, der Negus
hat die Dinge, welche ich ihm gesagt habe, geduldig angehört und hat mich nicht
spiessen lassen, und Ihr, die Ihr Euch freuen solltet, dass Ihr einmal einen
ehrlichen Mann in den Dienst gebracht habt, Ihr wollt mir das Maul stopfen.
Nein! ich werde reden, solange ich meine Stelle behalte; ich fühle es, der König
ist kein schlimmer Mann; er verdient es, dass man ihm die Wahrheit nicht
verhehle. Glaubt Ihr, ich werde mich deswegen je zu der Rolle eines schändlichen
Schmeichlers erniedrigen, weil ich hier umsonst Pasteten bei Hofe fresse, oder
ich ließe mich besolden, um den Negus mit verderben zu helfen, so irrt Ihr Euch
gewaltig. Dient das nicht in Euren Kram, bedürft Ihr eines Menschen, der anders
denkt, so schickt mich wieder zurück nach meinem schmutzigen Goslar - und damit
Gott befohlen!«
    Leichenblass wurde mein Herr Vetter bei dieser
