 aber bleibt es immer bei der Spiegelfechterei, und die literarischen Husaren
verstehen nichts Gründliches vom Dienste. Weil sie nicht Lust haben, die Regeln
zu lernen, die doch aus der Natur geschöpft sind und ohne welche man des sichern
Erfolgs nie gewiss ist, sich auch leicht zu weit verirrt, so stellen sie sich,
als verachteten sie alle Regeln, als wären diese völlig überflüssig. Selbst gute
Köpfe werden von diesem so bequemen Vorurteile angesteckt und leisten nicht, was
sie leisten könnten. Es erscheint jetzt in Deutschland, unter dem Namen von
Gedichten, Schauspielen und Romanen, ein solcher Wust von geschmacklosem Zeuge,
dass wir uns dessen vor unsern Nachbarn schämen müssten, wenn es nicht, leider! in
allen Ländern ebenso herginge. An fleißige Ausfeilung seiner Werke denkt
niemand. In einer müßigen Stunde, oder wenn der Autor Geld bedarf, bei guter
oder schlechter Laune, heiterem oder umwölktem Kopfe, ohne seinen Gegenstand im
ganzen durchgedacht zu haben, schreibt er den Bogen voll und schickt ihn vor
Abend in die Druckerei. Er muss auch eilen; denn eine Messe später, und die Form
seiner Werke (worauf es mehr als auf den Inhalt ankömmt) und die Sprache, darin
er schreibt, sind nicht mehr in der Mode. - Niemand würde das Buch lesen und
entielte es auch eine Quintessenz von Weisheit. Da er, bei dieser
Veränderlichkeit des Geschmacks, gewiss weiß, dass sein Buch spätstens nach zehn
Jahren Makulatur sein wird, so spornt ihn kein Ringen nach Unsterblichkeit an;
er sucht also bei seinen Lebzeiten noch einigen Vorteil von seinen Talenten zu
ziehen, ein eitles Lob einzuernten, etwas Geld zu gewinnen. Dieser letzte Punkt
hängt von der Gefälligkeit des Verlegers ab, den er durch Nachgiebigkeit gegen
den verderbten Modegeschmack, durch auffallende Titel, durch bizarre
Einkleidungen und durch allerlei andre unwürdige Künste zu gewinnen, schadlos zu
halten und gegen die Räubereien der Nachdrucker zu sichern suchen muss. Aus
diesem allem erfolgt nun, dass der Geschmack an gründlichen Wissenschaften, die
Lust, ernsthafte Werke zu lesen und zu schreiben, immer geringer wird, dass das
Publikum den Sinn für Wohlklang, Numerus, Würde und Eleganz im Ausdrucke,
Sprachrichtigkeit und Ordnung in Gedanken und Einkleidung verliert; dass jeder
schiefe Kopf oder Tagedieb, der keinen Trieb hat, etwas Gründliches zu lernen,
keine Geduld, eine nützliche Hantierung im Staate zu treiben, Schriftsteller
wird; dass hierdurch der Stand eines Schriftstellers tief herabsinkt und mancher
gute Kopf deswegen nicht schreibt, weil er sich schämt, mit jenen in eine Klasse
geworfen und von einem unwissenden, undankbaren, verschrobnen Publikum beurteilt
zu werden.
    NEGUS: Ich erstaune; dein Vetter hat mir Wunderdinge von eurer Literatur
erzählt; wenn ich wüsste, dass er mich zum Narren gehabt
