
ich Dir ihren ganzen Wert fühlbar mache - jene kostbaren Minuten enthalten, die
selbst unserm großen Könige die sichtbarste Belohnung für sein mühvolles Leben
darbieten - mit Einem Worte: die glücklichen Stunden des Mittags. Ich kann Dir
sogar von der Esslust meines Gastfreundes keine Rechenschaft geben: denn, während
er an der Wirtstafel aller seiner Sorgen vergisst, halte ich mich mit den
meinigen von vorgestern her in meinem Nebenkabinette verschlossen, suche zu
verdauen und schreibe. O des hässlichen Fisches! Wer nicht Seehunde und Meerwölfe
zu Gästen hat, sollte so ein Gericht nicht auf seinen Tisch bringen. Wie viel
habe ich ihm nicht schon bittere Pulver und Stinkkugeln nachgeschickt! Aber sie
prallen ab, wie Schrotkörner von einer Mauer. Nichts sprengt - nichts durchbohrt
ihn. Jetzt hat sogar mein Wirt aus menschenfreundlicher Teilnahme die
verborgensten Schleusen seines Kellers gezogen, und mir eben Weine aus dreier
Herren Ländern herauf gebracht, um ihn wegzuschwemmen. Wenn auch dieses
Holländische Mittel nichts hilft - nun so mag meinethalben der holprige
Mönchsweg morgen die Masse zerreiben, die mich drückt, und der Ekel, den ich bei
meiner neuen Bekanntschaft voraussehe, den heben, den mir meine vorgestrige
zuzog, da es für einen protestantischen Magen schwerlich ein kräftigeres Emetik
gibt, als so ein Madonnengesicht. Sollte aber die Ziehung der Schleusen den
Feind aus dem Lande treiben - desto besser! Ich habe eben eine geöffnet, und
fühle ihre Wirkung schon bis in den Fingerspitzen. Wie viel lässt sich da nicht
Gutes erwarten, ehe alle drei geleert sind! -
    Für einen Menschen, der früh einen Seesturm erlebte, unter Magendrücken sich
eines vergangenen guten Mittags erinnert, und den gegenwärtigen ungenossen
verschrieben hat, befinde ich mich noch leidlich genug - danke Gott für meinen
weich gepolsterten Sorgestuhl - für den geistreichen Wein, der schon mein ganzes
Vertrauen gewonnen hat - für den Trost meiner Feder, und für die gute Laune, mit
der ich der Ernsthaftigkeit freundlich die Hand biete. Ob es mir einmal nicht
schlimmer zu Mute sein wird, wenn ich mich in meine philosophische Klause zu
Berlin hinsetzen, und nach Beendigung meiner Reise die Summen, um die mich meine
Freigebigkeit, meine Kaufsucht und meine physischen und moralischen Torheiten
gebracht haben, aus meinen täglichen Ausgaben heben, und unter der ihnen
gebührenden Rubrik zusammen rechnen werde, ist freilich eher zu wünschen, als zu
hoffen. Denn, lass mich auch - um ernstlich zu sprechen - meine Erfahrung seit
dem ersten November, wo ich Berlin verließ, bis heute, den dreizehnten Januar,
wo ich mich mit einem Meergräuel herumbalge, noch so hoch in Einnahme bringen,
so wollte ich doch wohl die funfzig prahlenden Hefte meines Tagebuchs gegen
meinen Schreibkalender setzen, dass der Gewinn den Verlust nicht aufwiegt. Ich
weiß zwar meine Rechnung
