 und angenehm, und
selbst das, was sie Flüche und ungezogene Reden nennen, gefällt entweder, oder
wird als alltäglich kaum bemerkt; was ists denn nun, wenn ich einmal sage oder
schreibe - - doch nein, ich habe meinen Brief noch mit keiner unheiligen
Redensart entweiht, und ich wills auch noch nicht tun, damit Sie sehen, wie
sehr ich Sie liebe. Ja führwahr, Sie haben Recht; wenn ich bei Ihnen wär, so
würde es anders sein, Sie würden aus mir machen können, was Sie wollten. Wenn
ich nun so, was ich geschrieben habe, wieder überlese, so dünkt michs, ich würde
nicht das Herz haben, so mit Ihnen zu reden wie ich schreibe, wie ich schreiben
muss, wenn mein Brief den Augen gefallen soll, vor die er kommt. Herr Reiner,
mein Hofmeister, nennt den Ton, wie ich ihn anfangs in meinen Briefen brauchte,
Knabenton, und fragt mich, wenn ich ein klein wenig bedenklich über einen
Ausdruck bin, ob ich mich vor der Rute der Mama fürchte? Der verwünschte lange
dürre Kerl mit seiner dünnen Nase und der alten Haarhaube, die ihm dicht auf der
Nasenwurzel sitzt, eben kommt er herein, und ich muss meinen Brief verstecken,
weil ich Ihnen etwas zu sagen habe, das er nicht sehen darf.
    Ich bin in erschrecklichem Geldmangel. Sollten Sie mich weniger lieben, als
andere Mütter ihre Söhne? Hier nimmt ein jeder von meinen Freunden seine
Zuflucht in solchen Fällen zur Mutter, und wie ich täglich sehe, nicht
vergebens. Es gibt hier der Ausgaben so viel; Herr Reiner, der Oberste, und die
andern, haben mich meistens selbst auf den Weg gebracht, wo ich so viel vertun
muss, und nun lassen Sie mich in der Not stecken; ist das nicht unvernünftig?
Zwar neulich habe ich im Faro, das ich recht gut spiele, fünf Louisdors
gewonnen, aber die sind auch wieder zum Teufel - hätt' ich bald gesagt,
verzeihen Sie ja beste Mutter; - Helfen Sie meinem Mangel ab, wenns auch nur mit
einer Wenigkeit, nur mit zehn Louisdors ist, und ich werde zeitlebens sein, Ihr
gehorsamer Sohn, Albert.
    N. S.
    Einer von meinen Freunden riet mir, ich sollte drohen, wenn ich keine
Geldhilfe bekäme, so wollte ich unter die Soldaten gehen, aber dieses dünkt mich
doch zu kühn, gegen so eine Mutter, wie Sie. Wahr ist freilich, ich bin für
meine siebzehn Jahre lang und gut gewachsen, und der Himmel weiß, was ich im
Notfall tun werde.«
    Der Bube! wie würde ich diesen abscheulichen Brief doch beantwortet haben,
wenn nicht eben zu der Zeit Dinge vorgefallen wären
