 zur Waise machten, und einem schröklichen Schicksal
Preis gaben? - - Es war der Vorsicht Werk, und die dürfen Christen nicht tadeln.
- Glaube mir, besäße ich Hochmut, so würde ich diesen Wunsch der Versöhnung mit
Deinen Eltern unterdrükken, aber ich kann es nicht lassen, ich muss es Dir sagen,
es ist mir fast unerträglich, dass sie Vorurteil wider mich haben, schon viele
Tränen hat es mich gekostet. -
    Wenn Du sie von meinem Herzen, von meiner Liebe, von meiner
Rechtschaffenheit nicht zu überzeugen vermagst, so sage mir lieber gar nichts
mehr von ihnen, denn es geht mir immer ein Stich durch's Herz, wenn ich den
Namen derjenigen höre, die mich unschuldig von sich stoßen, es ist hart, Fritz,
für ein fühlendes Herz, Ungerechtigkeiten zu dulden! - - Lebe wohl, und vergiss
nicht Deine liebende Gattin. -
 
                                  XLVI. Brief
Endlich sind meine Ahndungen erfüllt, und der Erzbösewicht Holbaur hat uns bei
Schark verraten, folgende Unterredung wird Dich davon überzeugen.
                                    Schark.
                            (Mit heimlicher Galle.)
Wie kommt's Madame, dass Sie heute nicht ausgehen, Oder ist vielleicht die
tägliche Zusammenkunft hier im Hause festgesezt? - -
                                      Ich.
                                 (erschrokken)
Zusammenkunft, was für eine Zusammenkunft? -
                                    Schark.
Täubchen, stelle Dich nicht so unschuldig, Dein Gesicht verrät Dich! -
                                      Ich.
                                 (mich fassend.)
Freilich mein Herr, so weit habe ich es in der Verstellungskunst nicht gebracht,
wie Sie, möchte es auch so weit nicht bringen; - denn ihre Laster....
                                    Schark.
Donner und alle Wetter! - Was reden Sie da von Lastern? - Wollen Sie mich durch
diese Beschuldigungen von meinem Verdacht abbringen? - - Es wird Ihnen nicht
gelingen, ich bin zu gut von Ihrer heimlichen Intrigue mit dem jungen G...
unterrichtet, und wagt er noch einen Besuch, dann nehme ich meine Rache an
Ihnen. -
                                      Ich.
Daran tun Sie sehr wohl, es ist immer leichter sich mit einem hülflosen Weibe
herum zu balgen, als mit der Degenspizze eines ehrlichen Mannes. - Übrigens
haben Sie mir nichts zu verbieten, Sie sind mein Mann nicht. -
                                    Schark.
Aber doch Ihr versprochner Bräutigam, die ganze Stadt ist Zeuge, und mehr
brauche ich nicht um überall Recht zu finden. -
                                      Ich.
Die Bande die Sie leichtsinnig zerrissen, kann eine ganze Welt mit all ihrem
Reichtum nicht wieder knüpfen. - Mein Herz und meine Vernunft haben ihre eigne
Rechte, was kümmert mich das Urteil Anderer, ich wähle für mich....
                                    Schark.
Was, Unverschämte! - Was? Jemand andern wählen als mich? - Wer untersteht sich
so etwas
