 drin. Das ist ein
Leiden, mit so einem Menschen zu tun zu haben.
    Das Vertrauen des Grafen von C.. ist noch das einzige, was mich schadlos
hält. Er sagte mir letzthin ganz aufrichtig, wie unzufrieden er mit der
Langsamkeit und Bedenklichkeit meines Gesandten sei. »Die Leute erschweren es
sich und andern. Doch«, sagte er, »man muss sich darein resignieren wie ein
Reisender, der über einen Berg muss; freilich, wäre der Berg nicht da, so wäre
der Weg viel bequemer und kürzer; er ist nun aber da, und man soll hinüber!« -
    Mein Alter spürt auch wohl den Vorzug, den mir der Graf vor ihm gibt, und
das ärgert ihn, und er ergreift jede Gelegenheit, Übels gegen mich vom Grafen zu
reden, ich halte, wie natürlich, Widerpart, und dadurch wird die Sache nur
schlimmer. Gestern gar brachte er mich auf, denn ich war mit gemeint: zu so
Weltgeschäften sei der Graf ganz gut, er habe viele Leichtigkeit zu arbeiten und
führe eine gute Feder, doch an gründlicher Gelehrsamkeit mangle es ihm wie allen
Belletristen. Dazu machte er eine Miene, als ob er sagen wollte: »Fühlst du den
Stich?« Aber es tat bei mir nicht die Wirkung; ich verachtete den Menschen, der
so denken und sich so betragen konnte. Ich hielt ihm stand und focht mit
ziemlicher Heftigkeit. Ich sagte, der Graf sei ein Mann, vor dem man Achtung
haben müsse, wegen seines Charakters sowohl als wegen seiner Kenntnisse. »Ich
habe«, sagt' ich, »niemand gekannt, dem es so geglückt wäre, seinen Geist zu
erweitern, ihn über unzählige Gegenstände zu verbreiten und doch diese Tätigkeit
fürs gemeine Leben zu behalten.« - Das waren dem Gehirne spanische Dörfer, und
ich empfahl mich, um nicht über ein weiteres Deraisonnement noch mehr Galle zu
schlucken.
    Und daran seid ihr alle schuld, die ihr mich in das Joch geschwatzt und mir
so viel von Aktivität vorgesungen habt. Aktivität! Wenn nicht der mehr tut, der
Kartoffeln legt und in die Stadt reitet, sein Korn zu verkaufen, als ich, so
will ich zehn Jahre noch mich auf der Galeere abarbeiten, auf der ich nun
angeschmiedet bin.
    Und das glänzende Elend, die Langeweile unter dem garstigen Volke, das sich
hier neben einander sieht! die Rangsucht unter ihnen, wie sie nur wachen und
aufpassen, einander ein Schrittchen abzugewinnen; die elendesten, erbärmlichsten
Leidenschaften, ganz ohne Röckchen. Da ist ein Weib, zum Exempel, die jedermann
von ihrem Adel und ihrem Lande unterhält, so dass jeder Fremde denken muss: Das
ist eine Närrin, die sich auf das
