 ein Rélief geben würde, und darauf war
denn Fräulein Mariane so großmütig, sich seine wirklich fürstlichen Geschenke
gefallen zu lassen; aber Juliette, der Ring war auch dabei. Der Ring! - Bei
allem Mute seufzt' ich doch. Wie? wenn das verwünschte Rund ewig hieße? wenn
die baufällige alte Burg auf festerem Grunde stände, als unser eins ihr zutraut?
- Gut, gut, auch dann gibts Mittel! Hör', Mädchen, heut' muss ich Dich sprechen;
Du musst wissen, wie ich den ersten Seladon losgeworden bin. Das Ding war
komisch; und man wusste es einzukleiden, dass bei dem alten Papa alle Schuld auf
ihn fällt. Julie, Du musst kommen, Louis ist hier; der rotäugigen Schulmeisterin
sag', Du gingest zur Muhme Sainte Beate: die Falk meine ich. Mein Spindelfüsschen
wird Dir sein Kompliment machen. Wenn der Geck nur nicht so verliebt täte! Das
verwünschte Deutschschreiben wird mir blutsauer! - A dieu, chère amie! Komm'
hübsch bei Zeiten zu Deiner
                                                                 Mariane v. L..«
                              (Julchens Antwort.)
»Wie glücklich sind Sie, Mariane! Ihre muntere Laune verlässt Sie auch bei den
ernstaftesten Gelegenheiten nicht! Sie? Sie werden glücklich sein; aber ich?
ach! ich werde es nie werden! Der arme Baron! Seine Leiden gehen mir zu Herzen!
Er hat Sie redlich geliebt! - Spotten Sie meiner Kousine nicht; wollte Gott ich
wäre eine Betschwester, wie sie es ist! Sonst war ich auch wohl fromm; aber
jetzt! - Wenn Sie wüssten, wenn ich Ihnen sagen dürfte - - doch ich komme immer
wieder auf den Baron. Er dauert mich von Herzen! Kein Leiden geht über gekränkte
Zärtlichkeit. Leben Sie wohl, mein Fräulein! Ich bin so ganz verstimmt, dass ich
besser tue ich breche ab.
                                                                Julie Grüntal.«
Mariane beantwortete diesen Brief in dem mutwilligsten Tone; Julie (glaubte
sie) hätte wahrscheinlich in einer alten Postille, oder, noch ärger, wohl gar in
der Bibel gelesen, dass ihr so weinerlich geworden sei. Es sei mehr als Narrheit,
die besten Jahre mit Skrupeln zu verderben. Auch sie habe sich sonst wohl mit
Grillen geplagt, und am kränkelnden Gewissen gelitten; sie habe sich aber
nachher eines Bessern bedacht, und den alten Wust und Tand, der ihr noch von den
Katechismusjahren angeklebt hätte, ausgefegt. Man müsse nichts halb sein;
entweder voller Genuss, oder gar keiner. »Sei ganz gut, oder ganz - böse? - nein,
nur leichtsinnig«; hieß es. Überhaupt bestehe der Unterschied zwischen gut und
böse nur in einem mehr oder weniger lebhaften Temperamente, das man sich am Ende
doch
