 mir nicht eingebildet, ich könne nur im Ehestande glücklich werden. Gerade umgekehrt! Ich will ledig bleiben, so kann ich mein Leben viel besser genießen. Warum bin ich doch nicht gleich auf den klugen Gedanken gekommen, ganz frei und unabhängig nach meinem Sinne zu leben und bloß mein Vergnügen zu suchen! Doch es ist ja noch Zeit! Ich bin noch nicht dreißig Jahre alt; ich habe Kenntnis von vielen Wissenschaften, von Manufakturen und von Handlung, und im Notfalle bin ich noch Doktor der Medizin. Denken kann ich auch und auch schreiben. Es kann mich brauchen, wer einen brauchbaren Mann nötig hat. Ich kann eines Ministers Sekretär, ein Amtsphysikus, ein Rat in einem Kollegium und was sonst noch werden. Doch weshalb soll ich ein Amt annehmen und mich nach andern richten? Ich habe noch Geld; ich habe Kenntnisse. Das wird mich bald wieder in guten Zustand bringen. Ohne Ruhm zu sagen, ich sehe nicht übel aus. Ich will auch dem schönen Gesehlechte nicht ganz entsagen. Ich will mich mit schönen Weibern und Mädchen ergötzen, aber mich nicht von ihnen fesseln lassen. Die Mädchen sind mir immer gut gewesen. In Elberfeld und Gemarke sind, wie ich höre, viel reiche Kaufleute, die schöne Töchter haben. Wie komme ich aber zu denen? Ei, ich bin ja Arzt! Es bleibt dabei: ich will mich der goldeden Praxis befleissen; die bringt Geld und gibt dem Arzte große Vorzüge beim Frauenzimmer.«
So dachte unser dicker Mann, und sein Geist und seine Mienen wurden ganz aufgeheitert. Er dachte aber nicht allein das Obige; sondern, da sein Herz leicht überzuströmen geneigt war, so teilte er seinem Reisegefährten alle die frohen Hoffnungen mit, die ihn in seiner Einbildung beglückten. Philipp dachte auch mancherlei, behielt aber alles bei sich; denn ein großer Teil dessen, was er dachte, würde seinen Reisegefährten geschmerzt und dessen frohe Laune gedämpft haben, wenn er es herausgesagt hätte. Er überlegte, wie doch Anselm die einträgliche Manufaktur, welche sein Vater durch viel jährige Emsigkeit und Ordnung zu Stande gebracht hatte, in so kurzer Zeit durch Leichtsinn, Dünkel und Unordnung zugrunde gerichtet habe. Er überdachte, welch ein glücklicher und wohlbehaltener Mann Anselm hätte sein können, wenn er nur, anstatt sich in chimärische unausführbare Projekte einzulassen, das Werk ruhig hätte seinen Gang fortgehen lassen, das er durch seines Vaters Verstand und Überlegung ganz eingerichtet vorfand, und sich dem Müssiggange und eitlen Vergnügen nicht unmäßig überlassen hätte. Er überdachte, wie vielen Hirngespinsten von Plänen Anselm von seiner ersten Jugend an, vermittels seiner Einbildungskraft, nachgelaufen sei, und wie durch diese törichten Träume endlich sein ganzes Glück war umgestürzt worden. Um sich selbst nicht zu
