 sie sind lustig und geniren sich um niemand,
und das gefällt mir sehr. Ich habe die Schulfüchse mein Tage nicht ausstehen
können. Einer von diesen Studenten heißt Klinge. Ich habe ihn recht
liebgewonnen; er scheint auch in großem Ansehen unter seinen Bekannten zu
stehen, und ist Senior der Landsmannschaft. Heute sagte er zu mir: Man kann ein
ehrlicher Kerl sein, und was Rechts lernen, ohne darum immer hinter den Büchern
zu liegen. Die Leute, die den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, in alle
Kollegia laufen, und sich eine Todsünde draus machen, einmal zu schwänzen, haben
gewöhnlich keinen Kopf, und bringen es auch zu nichts. Wer Genie hat, kann in
einer Stunde mehr lernen, als ein solcher in zwei Tagen. Das viele Studieren
machts nicht aus. In unsern Jahren muss man des Lebens genießen und lustig sein.
Im Alter hat man Zeit genug, zu murren und hinter dem Ofen zu sitzen.
    Mich dünkt, dass Klinge hierinn ganz recht hat. Es ist nur Schade, dass sein
Vater, ein alter Filz, ihn so genau hält. Dem Himmel sei Dank, dass ich Geld
genug habe, um einen ehrlichen Kerl zu unterstützen. Mein Vater ist nicht karg,
und hat mir eine ansehnliche Summe ausgesetzt, die ich für mich allein nicht
verbrauchen werde. Meine drei Jahre sollen mir hier recht gut verfliessen, und
ich denke sie auch nützlich anzuwenden. Ich werde meine Kollegia fleißig
besuchen, und auch zu Hause arbeiten. Die Zeit, die mir dann übrig bleibt, sei
dem Vergnügen gewidmet.
    Ich wollte, du wärst auch hier, Eduard. Ich denke noch oft an die frohe
Zeit, da wir als Knaben zusammen spielten, und, unsers ungleichen Alters
ungeachtet, immer fest zusammen hielten. Auch jetzt noch wollte ich willig Blut
und Leben für dich lassen, liebster Bruder, das glaube mir. Du wärst mir aber
doch noch einmal so viel wert, wenn du die zärtlichen Schäferideen ablegtest,
und den Gedanken an deine unsichtbare Prinzessin fahren ließest. Beim Henker,
wäre ich mit einem so reizenden Mädchen in einem Hause, so wollte ich die Zeit
besser nutzen, ohne sie mit Winseln über eine entfernte Schöne zu verderben, die
in drei Jahren nichts von sich hören ließ. Siehst du, dass ich auch moralisiren
kann? - -
                                                                     Dein treuer
                                                                      Ferdinand.
 
                               Funfzehenter Brief
                              Eduard an Ferdinand
Es befremdet mich gar nicht, lieber Ferdinand, dich über meine Lage spotten zu
hören. Ich glaube wohl, dass es nur wenige Menschen gibt, denen meine standhafte
Neigung gegen Marien nicht übertrieben scheinen wird. Ich fühle aber, dass ich so
handeln muss, wenn ich mich vor künftigen Vorwürfen sichern will.
    Denke dir einmal,
