 brauche ich dich, ins Fenster zu steigen,
weil du schmal bist. Aber würde dir nicht bange werden?«
    Feldheim. »O! nicht im mindesten. Ich weiß ja, dass ich brave Gehülfen hinter
mir habe.«
    Brand. »Gut gesprochen, mein Kind! Du hast Recht, wir haben tafere Kerle
unter uns, die mit dem Teufel selbst fechten würden. Wisst ihr wohl, dass unsre
Bande ihrer Herzhaftigkeit wegen in der ganzen Gegend berühmt ist? Es fürchten
sich alle, die von uns gehört haben, uns anzugreifen. Sonst würden wir auch
nicht mehr alle beisammen sein. Man hat aber doch schon starken Argwohn auf uns,
und sucht uns durch List nachzustellen; deswegen wollen wir diese Gegend gleich
verlassen, wenn wir diesen Koup ausgeführt haben.«
    Ich. »Was mich aber anbetrifft, so bitte ich untertänig, dass Sie mich nicht
bloß zum Einsteigen in die Fenster brauchen, sondern dass ich unter die andern
Fechter gestellt werde.«
    Brand. »Es wird meine Sache sein, jedem von Euch seinen bestimmten Platz
anzuweisen. Aber jetzt wollen wir erst eins saufen. Nicht wahr, Jungen, jetzt
seid ihr doch gern bei uns? Im Anfang saht ihr beide aus, wie die Ritter von der
traurigen Gestalt.«
    Ich. »Das hat sich geändert. Ich muss gestehen, dass ich freilich im Anfang so
allerlei Bedenklichkeiten hatte; aber jetzt sind sie überwunden, und ich wünsche
mir in meinem Leben keine bessere Lage, als unsre jetzige ist.«
    Brand. »Bravo, mein Sohn! Nun bist du mir noch einmal so lieb. -«
    Wir gewannen den Tag sein Vertrauen völlig. Es kam mir sehr sauer an, so
gegen meine Überzeugung zu sprechen; denn es ist gar nicht meine Sache, mich zu
verstellen. Aber mein Wunsch, aus dieser Rotte zu kommen, und den armen Feldheim
zu befreien, ist gar zu lebhaft. Wir wissen nur noch nicht, auf welche Art die
Sache am besten anzufangen ist; denn wir dürfen nicht allein mit einander reden,
und müssen überhaupt sorgfältig allen Schein eines geheimen Verständnisses
vermeiden. Doch ich hoffe, der Himmel wird um des unschuldigen Feldheims willen
unser Unternehmen begünstigen. Wäre nur erst der Tag der Ausführung da! Lange
kann ich diese verhasste Rolle nicht mehr spielen.
                                                                      Ferdinand.
 
                            Einundachtzigster Brief
                               Bartold an Eduard
Freue Dich mit mir, Eduard, wenn Du kannst. Ich bin auf eine Spur gekommen. Ich
halte mich täglich in der Schenke auf, und trinke einen Krug Bier, um etwas
nähere Nachricht von den Dieben zu hören. Die Bauern sitzen denn alle um mich
her, und hören mit aufgesperrtem Maul und Nase zu, wenn ich von politischen
Händeln
