 einem Menschen zu sagen, wo er hinginge; und von dieser Zeit an hat man
keine weitere Nachrichten von ihm.
                    Fünftes Buch oder die Frösche der Latona
                                 Erstes Kapitel
Erste Quelle des Übels, welches endlich den Untergang der abderitischen Republik
                                 nach sich zog
                      Politik des Erzpriesters Agatyrsus
                       Er lässt einen eignen öffentlichen
                              Froschgraben anlegen
              Nähere und entferntere Folgen dieses neuen Instituts
Die Republik Abdera genoss einige Jahre auf die eben so gefährlichen als - Dank
ihrem gutlaunigen Genius! - so glücklich abgelaufnen Bewegungen wegen des
Eselsschatten der vollkommensten Ruhe von innen und außen; und wenn es
natürlicherweise möglich wäre, dass Abderiten sich lange wohl befinden könnten:
so hätte man, dem Anschein nach, ihrem Wohlstande die längste Dauer versprechen
sollen. Aber, zu ihrem Unglück, arbeitete eine ihnen allen verborgene Ursache -
ein geheimer Feind, der desto gefährlicher war, weil sie ihn in ihrem eignen
Busen herumtrugen - unvermerkt an ihrem Untergang.
    Die Abderiten verehrten (wie wir wissen) seit undenklichen Zeiten die Latona
als ihre Schutzgöttin.
    So viel sich auch immer mit gutem Fug gegen den Latonendienst einwenden
lässt: so war es nun einmal ihre von Vorältern auf sie geerbte Volks- und
Staatsreligion; und sie waren in diesem Stücke nicht schlimmer dran, als alle
übrigen griechischen Völkerschaften. Ob sie, wie die Atenienser, Minerven, oder
Juno, wie die von Samos, oder Dianen, wie die Ephesier, oder die Grazien, wie
die Orchomenier, oder ob sie Latonen verehrten, darauf kam's nicht an: eine
Religion mussten sie haben, und in Ermangelung einer bessern war eine jede besser
als gar keine.
    Aber der Latonendienst hätte auch ohne den geheiligten Froschgraben bestehen
können. Wozu hatten sie nötig, den einfältigen Glauben der alten Tejer, ihrer
Vorältern, durch einen so gefährlichen Zusatz aufzustutzen? Wozu die Frösche der
Latona, da sie die Latona selbst hatten? - Oder, wenn sie ja ein sichtbares
Denkmal jener wundervollen Verwandlung der lycischen Bauern zur Nahrung ihres
abderitischen Glaubens bedurften: hätten ein Halbdutzend ausgestopfte
Froschhäute, mit einer schönen goldnen Inschrift, in einer Kapelle des
Latonentempels aufgestellt, mit einem brokatnen Tuch umschleiert, und alle Jahr
mit gehörigen Feierlichkeiten dem Volke vorgezeigt, ihrer Einbildungskraft nicht
die nämlichen Dienste getan?
    Demokritus, ihr guter Mitbürger, aber zum Unglück ein Mann, dem man nichts
glauben konnte, weil er in dem bösen Rufe stand, dass er selbst nichts glaube,
hatte, während er sich unter ihnen aufhielt, bei Gelegenheit zuweilen ein Wort
davon fallen lassen: dass man des Guten, zumal wo Frösche mit im Spiele wären,
leicht zu viel tun könne; und da seine Ohren, nach einer zwanzigjährigen
Abwesenheit, an das liebliche Brekekekek Koax Koax, das ihm zu Abdera bei Nacht
und Tag um die
