 haben möchte. Was hilft's
nun dem versoffnen Krüppel, dass er mich damals um meinen Dienst brachte und mir
hernach noch mein kümmerliches Gnadengeld bestahl? Was hilft's ihm, dass er den
Grafen so rein ausgezogen und seine ganze Herrschaft geplündert hat? Was hilft's
ihm, dass er Dich hier so drückte und so schelmisch um Deine Ulrike brachte?
Nicht einen Pfifferling! Ende gut, alles gut. Drum geht nichts über den
Kernspruch: Ehrlich währt am längsten. Wer ist nun besser daran? Ich oder der
Bandit? Der Teufel! ich bin so vergnügt wie eine Bachstelze, habe gute Tage und
lebe mit meinem Weibchen so zufrieden wie ein Engel im Himmel. Hab ich's nicht
immer gesagt? Dem alten Herrmann wird's wohlgehn, wenn alles das Gesindel, das
ihn itzo schuriegelt, verhungern und verkummern muss. Ich meine den hochfahrenden
Grosstuer, den Grafen, auch mit. Es ist ihm ganz recht, dass er jetzt so demütig zu
Fuß gehen muss, wie er sonst stolz gefahren ist. Er hat die Leute etwas ehrliches
geplagt und mich am meisten, dass ich nicht so schmeicheln und hofieren wollte
wie seine andern Maulaffen. Nun mag er selbst den Leuten hofieren, damit sie ihm
nur das liebe Leben erhalten. Nun kann er sehen, wie es andern Menschen, die auch
keine Narren sind, in der Seele weh tat, dass sie so einem Ölgötzen beinahe zu
Fuße fallen mussten, wenn sie einmal ein Bröckchen Gnade haben wollten, und ihn
doch niemals genug anbeten konnten. Ende gut, alles gut. Ich möchte wahrhaftig
itzo nicht mit ihm tauschen: ich brauche doch nicht zu betteln. Ich möchte itzo
nur zwei Stündchen bei ihm sein. Nu? wollte ich ihm sagen. Wer ist nun der
größte Narr unter uns beiden? Der alte, grobe Klotz, wie Sie mich sonst nannten,
oder Ihre Hoch-Hoch-Hoch-reichsgräfliche Exzellenz und Hochgeborne Gnaden? Kurz
und gut, wer bis ans Ende beharrt, der ist selig. Das merke Dir und sei ein
ehrlicher Kerl, bis Dich die Maden fressen, wie
                                                                      Dein Vater
                                                       Adam Ehrenfried Herrmann.
N.S. Du hättest wohl mit Deinem Briefe ein Stückchen Brautkuchen schicken
können. Unser Schulze macht itzo superfeinen Kümmel, und dazu wär er mir just
gelegen gewesen. Ich will Dir's diesmal vergeben. Bei der Kindtaufe macht es
besser.
                       Von der gewesenen Fräulein Hedwig,
                          jetzt Herrmanns Stiefmutter.
                                                               den 15. Dezember.
Wohlgeborner Herr!
Hochgeehrtester Herr Stiefsohn!
    Dero hohe und preiswürdige Eigenschaften wie auch Dero Frömmigkeit und gutes
ingenium und diese und viele andre lobens- und rühmenswerte Tugenden Ihrer
vortrefflichen Frau Gemahlin haben bei mir beständig so große admiration
