 Gnade auf mich geworfen hat. Aber es ist mir heute
eingefallen, dass ich Ihnen schon lange einen jährlichen Zuschuss habe geben
wollen: hier will ich das Versäumte wieder einbringen: Sie sollen in Zukunft
alle Jahre soviel bekommen, und wenn Sie sonst Geld brauchen, wenden Sie sich an
mich, gerade an mich! meine ganze Börse steht Ihnen offen.«
    Herrmann wehrte das Paket, das er ihm bei diesen Worten anbot, von sich ab.
»Nein«, sprach er, »ich danke für Ihr Geschenk: es könnte den Anschein haben,
als wenn Sie meine Verschwiegenheit dadurch erkaufen wollten.«
    Der Präsident. Behüte! behüte! wer wird denn so etwas denken?
    Herrmann. Freilich sollte man nicht! denn Sie sagen ja selbst, dass ich
nichts Böses zu verschweigen habe: was nicht böse und unerlaubt ist, kann
überall gesagt werden.
    Der Präsiden. Es ist nur um der bösen Leute willen, die etwas Böses daraus
machen. Sie wissen ja wohl, jedermann hat seine Feinde, wenn er auch noch so
ehrlich handelt: nur deswegen hab ich Sie um Verschwiegenheit gebeten: wie
können Sie sich das nur träumen lassen, dass ich sie von Ihnen erkaufen will? Ich
sehe Sie für einen grundehrlichen Menschen von altem deutschen Schrot und Korne
an; und solchen Leuten trau ich blindlings. Ich werde ja einen so braven Mann
nicht so arg beleidigen und ihn bestechen wollen! Wie ich Ihnen sage, bloß zur
Belohnung Ihrer vielen treuen Dienste geb ich Ihnen das Geld. Machen Sie keine
Komplimente! Nehmen Sie!
    Herrmann. Nein! Auch ich darf um der bösen Leute willen, die etwas Böses
daraus machen könnten, nichts annehmen. Hab ich Ihnen treue Dienste getan, so
ist mir mein Bewusstsein und Ihre Anerkennung Lohns genug: hab ich nichts Böses
von Ihnen zu verschweigen, so werd ich auch nie etwas Unschuldiges entdecken,
das durch boshafte Auslegung verdächtig gemacht werden könnte, das schwör ich
Ihnen bei meinem Gewissen: aber ich mag mir durch keine Verbindlichkeit die
Zunge binden lassen.
    Der Präsident. Die Zunge binden! was meinen Sie denn damit?
    Herrmann. Ich will mich an meiner kleinen Besoldung begnügen, damit mich
niemals die Dankbarkeit hindert, Pflicht und Gewissen zu gehorchen. - Haben Sie
sonst noch etwas zu befehlen?
    Der Präsident. Sie müssen mir das erklären! Sie müssen mir das erklären! das
versteh ich nicht. Was wollen Sie denn da mit dem Gewissen und der Pflicht? Wie
kommt denn das hieher?
    Herrmann. Sie haben mich ja selbst darauf verpflichtet, den Vorteil meines
Fürsten und meine Treue gegen ihn allem andern vorzuziehn; und Ihnen, als meinem
Vorgesetzten, hab ich eben jetzt dies Versprechen erneuert.
    Der Präsident.
