 Hals und Beine brechen: sind die
beiden feindlichen Heere sämtlich daniedergeschossen - denn gewöhnlich kommt
auch nicht ein Mann mit dem Leben davon -, so kanonieren sich die beiden
Heerführer, und der arme Apotheker zieht meistens den kürzern: wenn seine
Gegnerin ihre Erbsen verschossen hat, wirft sie ihm Rosinen, Mandeln,
Schnupftuch, Schere und was sie sonst in den Schubsäcken oder in der
Nachbarschaft um sich findet an den Kopf: für die Limpachin ist dieser letzte
Teil der Komödie der interessanteste, und sie beweist sich außerordentlich
geschäftig dabei. So vertreiben wir uns die Zeit in den itzigen ewigen
Winterabenden: zuweilen wird Blindekuh oder ein andres Spiel von diesem Schlage
gemacht; aber bei jedem ist der Apotheker die lustige Person, auf dessen
Unkosten gelacht wird. Mir ist der Mann dadurch, dass er sich mit so großem
Vergnügen von jedermann zum Narren gebrauchen lässt, äußerst verächtlich
geworden: er macht freilich den weisen Unterschied, dass er niemanden Spaß mit
sich treiben lässt, der nicht wenigstens von Adel ist; aber er kommt mir wegen
dieses Unterschiedes nur noch kleindenkender und armseliger vor, weil er von der
Würde eines Menschen gar kein Gefühl haben muss. Ich kann nicht mit ihm reden;
und er nimmt mir's sogar übel, dass ich ihn nicht zum Narren habe, und schilt
mich deswegen stolz. Überhaupt weiß ich nicht, warum ich hier allgemein für
stolz gehalten werde: bin ich's denn wirklich? Bei dem Onkel tadelte man mich
beständig, weil ich zu lustig und zu gemein sein sollte; und hier muss ich mir
unaufhörlich Stolz und Ernsthaftigkeit vorrücken lassen. Freilich ist es wohl
war, ich muss mich meistens zum Lachen zwingen, wenn die andern beinahe den Atem
verlieren, und mit den Leuten wie der Apotheker, deren es hier eine Menge gibt,
kann ich mich unmöglich einlassen: sie sind so plump oder so dumm, dass sie mir
zu ekelhaft werden, um etwas Lächerliches an ihnen zu finden. Zum Glücke muss ich
oft bei der Fürstin sein und ihr aus einem Romane oder andern Büchern erzählen.
Sie gibt mir das Lob, dass ich sehr gut erzähle; und sie hat das eigne Unglück,
dass sie weder selbst lesen noch vorlesen hören kann: sie lässt also die Bücher
kaufen, ich muss sie lesen und ihr das Gelesene wiedererzählen. »Es klingt nicht
so natürlich in den Büchern«, sagt sie, »als wenn mir's jemand mündlich
erzählt.« - Am liebsten hört sie Feenmärchen und Gespensterhistorien: je
ungereimter und abenteuerlicher, je lieber: ich habe die Zeit her des Zeugs so
viel lesen müssen, dass ich alle Nächte von Ogern, Kobolden, Hexen, bezauberten
Prinzessinnen und geflügelten Drachen träume. Von den Büchern,
