 sehr erhebliche Angelegenheit zu
ratschlagen. Was sage ich, erhebliche? Es ist die allerwichtigste
Angelegenheit.«
    »Sie wissen, weise und erhabene Väter des Staats, dass der unerbittliche Tod
die Tage des wohlseligen Schweinehirten der Lindenbergschen Nation weggemähet
hat, und mögen wir wohl ausrufen:
Quis desiderio sit pudor aut modus
Tam unentberlichen capitis!
Unsers hier gegenwärtigen teuersten Herrn Hochwohlgebohrne Gnaden, Ach, Sie,
meine Herren, die ganze Gemeine, die ganze Welt, kurz: Jedermann weiß, dass das
Amt eines Hirten ein gar wichtiges Amt, ein Amt multi ponderis sei. Ich vor
allen weiß das aus der Erfahrung, da ich die Ehre habe, meine Herren, Ihr Hirte
zu sein. Ich will aber bei einer so feierlichen Okkasion nicht von mir reden.«
    »Einem jeden, das wissen Sie, weise Väter des Staats, weil es weltkündig
ist, Einem jeden ist sein zeitliches Vermögen die angelegentlichste Sache. Ein
großes Teil ländlicher Glücksgüter bestehet in Vieh. Die Schweine sind ein
großes Teil des Viehes. Also ist der Mann, dem eine ganze Gemeine ein so
beträchtliches Teil ihres Reichtums anvertraut, ein sehr wichtiger Mann. Ich
will hier nicht von den Kenntnissen, von der Arbeitsamkeit, von der Geduld reden
die zu einem solchen Amte erfoderlich sind und die sich niemand recht vorstellen
kann, der nicht entweder selbst Schweinhirte gewesen ist, oder sich wenigstens
mit Erziehung einer blühenden Jugend beschäfftiget hat. Ich will Ihnen nur bloß
die Wichtigkeit des Mannes an sich selbst zu bedenken geben.«
    »Helfen Sie mir jetzt überlegen, meine Herren vom geheimen Konseihl! Schämen
Sie sich der Arbeit und des Schweisses fürs Vaterland nicht. Die Ochsen stehen am
Berge, und der Karrn steckt im Sumpfe. Helfen Sie mir, meine Herren, auf die
Ochsen unsrer Erfindungskunst wacker losschlagen, dass der Karrn aus dem Sumpfe
der Verlegenheit erlöset und über den Berg der Schwürigkeiten gezogen werde.
Über die Schwürigkeiten darf ich mich wohl nicht weitläuftig ausbreiten. Die
Kinder auf den Straßen reden davon. Nur darum bitte ich Sie, beschwöre ich Sie
bei meiner und Ihrer Würde, bei unsrer Pflicht, bei dem Namen des Vaterlandes,
einen solchen Entschluss zu fassen, der der Ehre dieser Versammlung würdig, und
der Wichtigkeit der Sache, als worauf die Wohlfart eines ganzen Staates
beruhet, angemessen sei Dixi.«
    Nun erhob sich der Herr Leibpoet, und entschüttete sich folgerder Rede, auf
die er aber nicht stüdiret hatte:
    »Schon lange, allervortrefflichster Monsieur le Premier, schon lange sind
Eure Herrlichkeit der Gegenstand meiner pflichtmässigen Bewunderung, Sie der das
Ruder des Staats, die Feder der Autorschaft, das Plektrum des Orbiliats, und die
kritische Karbatsche mit gleicher Weisheit, mit gleicher Kraft, und mit gleicher
Geschicklichkeit respektive
