 Mutter
Brudersohn besucht, der in Greifswalde studierte. Ich hörte, dass es ein großer
vornehmer Professor in Greifswalde gemacht hätte, und da dacht ich, ich müsste
die etlichen Dreier schon dran wenden.
    »Alle Blix! 's muss 'n ganzer Kerl sein, der Professor - sagt er nicht so? -
der so'n Buch machen kann. Bin 'n Edelmann, so gut wie der Kaiser, aber so'n
Buch wüsst ich nicht zu machen, nee, und wenn ich die ganze Welt haben sollte.
'Sist'n allerwelts Kerl, der Siegfried! Mögt auch wohl mal so um mich 'rum hauen!
Hätt sich auch wohl passen können, wenn ich im Dienst geblieben wäre. Aber der
Lindwurm, das war'n Racker, so war er. Wüsst ich man mal einen, ich wollt'n
lebendig braten, dass er die Angst kriegen sollte. Und da könnt' einer denn auch
'n Buch von machen. Nicht wahr, Schulmeister?«
    Allerdings Eu'r Gnaden. Und wenn Eu'r Gnaden denn des Fortunatus
Wünschhütlein hätten ...
    »Kenne das Dings nicht.«
    O Eu'r Gnaden, das war ein köstliches Ding! Ich habe ein kurjoses Buch von
diesem Fortunatus mit dem Wünschhütlein und Säckel zu Hause ...
    »War das 'n Edelmann, der Fortnaz?«
    Allerdings, Eu'r Gnaden! - Das Buch könnt ich Eu'r Gnaden vorlesen ...
    »Das kann Er, Schulmeister!«
    - und wenn Eu'r Hochwohlgebohrne Gnaden allergnädigst erlauben wollten ...
    »Der Blix! das will ich ganz gern, Schulmeister!«
    - so könnt ich morgen damit den Anfang machen. Und wenn Eu'r Gnaden ein
Liebhaber vom Herzbrechenden sind ...
    »Nicht sonderlich, dass ich wüsste.«
    Sonst könnt ich auch die Geschichte vom Oktavianus mitbringen ...
    »War's auch 'n Kavalier?«
    Allerdings Eu'r Gnaden, und ein Römischer Kaiser dazu; aber weil Dero nicht
sonderlich fürs Tragische sind ...
    »Nee! Nee! Schulmeister bring er das Acktafijanusbuch man auch mit, versteht
er, weil's doch von'm Kaiser ist.«
    Auf diese Art wusste der Ludimagister immer Ein Buch aufs andre folgen zu
lassen; ein Kunstgriff, den er zwar der Sultaninn Scheherazade, die so schön ein
Märchen ans andre zu nähen wusste, nicht abgelernet haben konnte, der ihm aber
treflich zu statten kam, sich allmählig dem Herrn Siegfried von Lindenberg
unentbehrlich zu machen. Der Edelmann lernte auch nach und nach ein Urteil über
die Bücher fällen, die er vorlesen hörte. Sonderlich erklärte er sich
