 vernünftig zu handhaben wisst.
Hast Du vor der Hand keine Schriftsteller in Deinen Staaten, so erzeige dem
heiligen Römischen Reiche Deutscher Nation den Liebesdienst, uns ein zehn oder
zwölftausend abzunehmen; wir behalten noch übrig die Hülle und die Fülle, denn
hier ist ihr Name Legion. Das Gewerbe ist ansteckender, als die Pest, unter
deren Geissel Dein Stambul so vielfältig seufzet. Bald werden Deine Moslems von
ihnen lernen, wie man Papier verdirbt, um mit dem Magen zu diskontiren, und
Deine Hoheit wird sich wohl dabei befinden.
    Was die Pressfreiheit betrifft, so ziehe die Gränzen derselben hübsch eng
zusammen in Sachen, die die Sitten angehen. Wenn z.E. Gedichte im Geschmack des
Grekourt, ein Dom B ..., und dergleichen bei Dir aufducken sollten, so lass den
Unflat und seinen Verfasser, ohne weiters, auf einem und demselben
Scheiterhaufen verbrennen. Tausend lüderliche Häuser, und tausend Kuplerinnen
dazu, stiften nicht halb so viel Verderben, als Ein solcher Bube. Was den Staat
anlanget, da kannst Du die Leute schreiben lassen, was sie wollen. Der Deinige
müsste sehr schlecht gegründet sein, wenn ein Mann aus der Dämmerung seiner
Studierstube ihn niederschreiben könnte. Zudem unterbleiben dergleichen
Schriften bald von selbst, wenn nicht darauf geachtet wird. Dass sie geschadet
hätten, habe ich noch nicht erlebt. Sollte jemand die Reise Mahomed's auf dem
Borak, durch alle die Himmel - ich weiß nicht gleich, sinds ihrer sieben oder
nenne, - die er in so kurzer Frist ablegte, dass aus seinem umgestossnen
Wassertopfe kein einziger Tropfen Zeit zum Herausfliessen gehabt hatte, - sollte
jemand die übrigen Wunder des Propheten bezweifeln, so - - ich dächte, Du
ließest ihn zweifeln; denn, Mahomed ist nichts, oder er wird seine Ehre schon
selbst zu retten wissen. Aber, was wider solche Zweifler geschrieben wird, das
lass genau prüfen, ehe es unter die Presse kommt; denn eine elende Verteidigung
schadet gemeiniglich mehr, als der schärfste Angriff.
    Mit den Schriftstellern von Genie und Talenten rate ich Dir freundlich und
herablassend umzugehen, ihnen gleichsam de pair à compagnon zu begegnen.
Schmeichle ihrem Ehrgeize, und sei nicht geizig gegen sie, das wird Dir wohl
tun. Die Leute sind nicht unerkenntlich; sie werden Dir in den Jahrbüchern der
Welt ein rühmliches Zeugnis geben, und Du wirst nach Jahrtausenden noch als ein
Muster der Sultane angeführet werden, da man von den mehrsten Deiner Vorfahren
kaum den Namen und den kleinen Umstand weiß, dass sie auf Anstiften des Mufti
oder eines müßigen Trunkenbolds von Janitscharen stranguliret sind. Kolbert war
klug genug, dem vierzehnten Ludwig eben dieses unter den Fuß zu geben, und
Ludwig heißt bis auf den heutigen Tag der Große. Das
