 weiß
ich gewiss, war etliche Tage in Gesellschaft eines Savojarden, dem eine Marmotte
sein tägliches Brodt bescherete, gewandert, und hatte dem lüstigen Burschen ein
Paar Bissen Italiänisch abgestolen, mit welchen er wundersam stolzierte, und
kecklich vorgab, er habe Florenz und Rom und des heiligen Peters ganzes
Patrimonium gesehen.
    »Korpo di Bacco! sprach der Visitator zum Torschreiber, was ist das? - S,
i, e, g. Sie; f, r, i, e, d, vert, Sievert von Lindenberg? - Che mi venga la
rabbia, Herr Konfrater, wenn ich weiß, ob ich das Dings einpassiren lassen darf!
Sievert von Lindenberg! - Kospetto! das könnte wohl gar auf unsers Herrn
Gerichtsschulteiss Gestrengen gehen, denn es klingt ackerat als Sievert von
Lünzelberg.«
    »Parbleu! tät der Torschreiber repliciren. Vous avez verdammt viel Kopf,
Monsieur Konfratèr! 's Teufels bin ich, wenn Sie nicht alle Tage kapabel wären,
Torschreiber zu werden.«
    »Vossignoria belieben zu scherzen, Herr Konfrater! Aber ...«
    »Je me donne au diable, wenns nicht mein Ernst ist, Herr Konfrater!
Malpeste! Vous n'avez pas l'esprit bouché.«
    »Nu, nu kann sein. - Aber mit vostra licenza, Signore Konfratello, dass ich
nach Ihrer Meinung frage: was denken Sie, soll ichs einpassiren lassen?«
    »Eh! Vertu de ma vie! pourquoi non? vor allen, wenns wirklich auf den
Gerichtsschulteiss geht. Pardi! lassens immer passieren. u.s.w.«
    Die beiden Esel beleuchteten das Ding noch ein wenig, und bekonfraterten
einander nach der Tablatur, bis zuletzt der skrupulöse Visitator, der so schön
buchstabiren konnte, die Argumenta des politischen Torschreibers, der so gern
französisch sprach, goutirte; und so kam das Büchlein in den Ort. Aber die
Untersuchung des Gesindels im Tor war doch noch früher hineingekommen, und
schnell wie ein Lauffeuer lief das Gerücht von Schnabel zu Schnabel, von Haus zu
Haus: es sei ein leidiges, verdammtes, vermaledeietes Ding von einem Buche
angekommen, worin das ganze Oertlein Mann für Mann auf eine unerhörte Art
seinen Lex bekäme.
    Ich entsinne mich, wohl eher an der Stubentür einer Dorfschenke einen
zierlichen Holzschnitt gesehen zu haben, auf welchem eine ganze Gemeinde mit
Spiessen und Stangen, schwerem und leichtem Geschoss, Heugabeln, Dreschflegeln,
und allem gerüstet, was nur irgend eine Trutzwehr vorzustellen bastant ist, zu
Felde zog wider - einen Rochen.1 Sogar, wenn ich nicht irre, war auch der
Priester mit Sprengwedel und Weihkessel, und geweiheten Kerze bei der Hand, den
argen Feind zu exkommuniciren. - Wer weiter keine Waffen hatte
