 war. - In Paris und an andern Orten essen die Schäfchen
aus der Hand. Nur ganz zuletzt in Königsberg hab' ich Ihnen ein Mädchen -
Mündlich mehr! Einen so langen Brief hab' ich, seitdem ich schreiben kann, nicht
geschrieben. Wäre Minchen nicht der Inhalt, so müsste mich der Teufel plagen, so
viel zu schreiben. Das Testamentsfräulein soll, bei meiner Seele! keinen über
sechs Reihen besitzen. Haben Sie nicht was Gutes von Liebesbriefsteller, damit
ich daraus ein paar Briefe für die S. abschreiben kann? Ich hab' aus vielen
Gründen, und auch darum an sie geschrieben, weil ich dich kenne, du verzagter,
argwöhnischer Hund! Nun hast du doch was Schriftliches in der Hand und kannst
mich vor allen Gerichten knebeln. Neu ist's bei alledem, dass meine
Testamentsbraut die Kourtage für Minchen bezahlt. Glaubt mir, Hermann, ich mein'
es ehrlich mit Mine. Man wird von Tag zu Tag älter und muss solid denken. - Wenn
der Pastor uns, S. und mich, traut, lass Mine dabei stehen. Dem
Testamentsfräulein geb' ich zwar die Hand, denn das bringt die Zeremonie so mit,
aber Mine will ich ein ganzes Auge voll Ja's schenken, und hol' mich der Teufel,
ich will sie selbst ansehen, wenn ich Ja zur S. sage, und dies Ja soll so leise
sein, dass es der liebe Gott selbst kaum hören soll. Mehr, glaub' ich, kann
Minchen nicht zur Gewissensberuhigung fordern, wenn sie Superintendentin wäre,
und mehr kann sie nicht fordern, wenn sie zehn Jahre Jura studiert hätte. -
Dieser Brief muss zerrissen werden, sobald er gelesen ist, oder ich stecke dem
Herrn Hermann das Haus an. Hat Magdalene nicht öfter Wochen gehalten als meine
Mutter? Und einen Mund voll Zähne abgerechnet, was fehlt ihr zur Ehre, die Frau
eines Literatus zu werden? Reinen Wein, ober ich heiße nicht
                                                                       - - v. E.
    Wenn meine Leser die saubere Antwort auf diesen curisch-französischen Brief
lesen wollen, hier ist sie:
        Hochwohlgeborner Herr und Gönner!
            Gnädiger Herr Baron und Gönner!
    Ew. Hochwohlgeboren werden gnädigst zu verzeihen geruhen, dass ich gleich
anfänglich in aller Ehrfurcht bemerke, wie ich mich wohl zu bescheiden weiß, an
Briefe von gnädigen Händen nicht gewalttätige Hand zu legen; indessen ist
dieser hohe Brief für Minen wie verbrannt, und noch ärger wie verbrannt, da sie
nicht einmal die übrig gebliebene Asche sehen soll. Es wird Ew. Hochwohlgeboren
par renommée bekannt sein, dass es mir nicht an Witz und Fähigkeit gebricht;
indessen steht mir jetzo alles still, und ich muss aufrichtigst bekennen, dass ich
bei dieser Sache
