 Einem alten Mann gibt man eher die Hand; wie
kommt das?
PASTOR. Man vergleicht ein Weib mit Weibern, kein Wunder, wenn es verliert. Man
lasse aber einen alten Kerl Weibskleider anziehen, wir bleiben länger bei Odem.
Es geht uns länger nach der Männerweise, als ihnen nach der Weiberweise. Der
Mann ist in einem Stück ganz gemacht, das Weib ist zusammengesetzt. - Es ist mit
Deckel und Schraube.
HERR v. G. Kein Wunder also, dass es ein starkes und schwaches Werkzeug ist.
PASTOR. Sie haben Recht, in der Ehe ist der Mann gegen das Weib stark und
schwach, wie man's nimmt. Dass er physisch stark gegen sie ist, zeigt der
Augenschein; allein wer gibt nach?
HERR v. G. Ein gemeiner Mann schickt seine Frau, so oft es zu reden gibt.
PASTOR. Weil die Weiber eine natürliche, zum Herzen gehende Beredsamkeit
besitzen, und an wen schickt er sein Weib ab? an Männer. Gewiss kommt aber der
Mann selbst, wenn z.B. die gnädige Frau eine Wittwe ist, und den Gütern
vorsteht. Eine gesunde gute Saat ist nicht hinreichend, es muss auch ein gutes
Land sein, wohin sie gestreut wird.
HERR v. G. Das lässt sich hören. Die Geschlechterneigung kommt also mit in die
Erklärung, und in tausend Fällen ist sie die Feder, die das Werk regiert. Warum
aber, Pastor, sind die Weiber stolzer wie die Männer? Meine ist es auf eine
übertriebene Weise, aber im Grunde sind sie es alle.
PASTOR. Weil ihr Rang sehr zweideutig ist. Der Fürst ist gegen einen Grafen
stolzer als gegen einen Edelmann. Ist des Mannes Rang dazu auch zweideutig, ist
er z.B. ein neuer Edelmann, so ist ihr Stolz gränzenlos.
HERR v. G. Warum putzen sich die Weiber, wenn sie gleich schon an sich gefallen?
PASTOR. Nicht unsertwegen. Gegen Männer brauchen sie ihre natürlichen Waffen;
andere ihres Geschlechts zu verdunkeln, andere zu überglänzen, darum der Putz.
HERR v. G. Pastor! das nenn' ich fragen und antworten wie gedruckt! wie
abgeredt! und eben so als ein Buch, das frag- und antwortweise abgefasst ist. Was
ich über die Liebe gelesen und gedacht habe, ist viel; was ich getan habe, ist
wenig. Man denkt und liest von dieser Art das meiste in blanko (ich bin ein
halber Kaufmann, das hören Sie wohl, ich handle und wandle wie wir eurische
Kavaliere alle handeln und wandeln -). In blanko, wahrlich in blanko, denn wie
es zum Ausfüllen kam, fand sich's, dass meine gnädige Hausehre
