 wissen! War das nicht brav gehandelt, dass der Herr von Kronhelm, um den
du's eben nicht verdient hattest, gleich von freien Stücken zu dir kam, und dir
seine Freundschaft wieder anbot? Ich musste weinen, als ichs las, und ward ihm
noch einmal so gut. Ach, es muss ein herrlicher Mensch sein, und der Pater auch.
Nimm dich nur in Acht, ich bitt dich lieber Bruder, dass du ihre Freundschaft
nicht aufs neue verscherzest, und dich mit einem andern zu weit einlässtest!
denn die Beiden meinens gewiss recht ehrlich mit dir. Denk, wie unglücklich du
durch Kreutznern hättest werden können! Papa wird dir auch drüber schreiben.
Unsre Salome ist seit vier Wochen wieder hier. Ich mag nicht gerne klagen, sonst
könnt ich dir gar viel anführen, wie sie mir immer so zuwider ist. Sie sagt, dass
sie vom künftigen Herbst an ganz in München bleiben will. Ich habe nichts
dawider, denn mit mir und dem Landleben scheint sie sich einmal nicht vertragen
zu können; ob ich ihr gleich gewiss nichts wissentlich zu leide tu. Karl will
des Amtmanns in Dollingen Tochter heiraten; ich weiß nicht, ob du sie kennst?
Sie hat uns einmal, schon vor drei Jahren, besucht. Ich kenne sie nicht genug,
um dir meine Meinung über sie sagen zu können. Das weiß ich, dass sie reich und
geitzig ist; mich sah sie nicht viel an, als sie neulich hier war; es scheint,
ich bin ihr zu munter; denn sie sieht immer sehr verdrießlich aus, und tut so
altklug. Karl daurt mich, wenn er sie kriegt; freilich sieht er auch aufs Geld;
aber ich dächte, nach meiner einfältigen Meinung, das wäre zur häuslichen
Glückseligkeit noch nicht genug. Wenn ich ein Mann wär, und eine Frau haben
wollte, so müsste sie mir fein freundlich sein, und nicht bei jedem Heller, den
man ausgibt, so ein saures Gesicht machen; doch das geht mich ja nichts an. Papa
würd ihms auch missraten, wenn er sich nur einreden ließe. - Weist du schon,
dass in Burgau Preussische Offiziers liegen, die von der Reichsarmee gefangen
worden sind? Es haben uns schon mehrere verschiednemal besucht; aber einer, der
mir ausnehmend gefällt, besucht uns besonders oft, und das ist der Hauptmann,
Herr von Nortern. Ich sag dir, Bruder, das ist ein herrlicher Mann, gar nicht
so, wie man uns die Ketzer sonst beschrieben hat. Er soll reformirt sein, ich
glaub aus dem Hessischen; aber das tut nichts; er ist doch ein braver Mann! Er
hat ein paar schwarze Augen, wie Perlen, und ein Gesicht,
