 ihr Grillen in den Kopf zu setzen. Mich
soll er aber durch seine Schmeicheleien nicht blenden. Ich weiß wohl, worauf ich
mir was gut zu tun habe, und das kennt er nicht. Verzeih mir, Bruder, dass ich
härter schreibe, als du's wünschen möchtest; aber du weist, dass ich nie kein
Blatt vor's Maul genommen habe. Was du mir vom P. Philipp und dem jungen Herrn
von Kronhelm berichtest, hat mir weit besser gefallen. Der junge Mensch muss eine
gute liebe Seele sein, aber es scheint, du habest nicht viel Umgang mit ihm. Wie
kommt das? Papa ist, Gottlob! recht wohl, und lässt dich grüßen. Die Brüder
auch. Salome will bald wieder aus München kommen; da wird mein Elend wieder
angehen. Ich sag aber: Ein froher Mut macht alles gut. Unsre Kornfelder sind
dies Jahr sehr gesegnet; auch unser Garten. Ich habe viel zu tun, und bin
seitdem erst zweimal bei unserm Pfarrer in Windenheim gewesen. Er hat mich
wieder in seinem Garten herum geführt, und lässt dich herzlich grüßen. Ich muss
abbrechen, weil ich wieder an die Arbeit muss. Leb wohl, Herzensbruder, und
schreib bald deiner getreuen Schwester
                                                                   T. Siegwart.
    Xaver ward anfangs etwas stutzig, als er diesen Brief las, aber, dachte er:
das Mädchen sieht die Sache von der unrechten Seite an; und vergaß ihre
Erinnerungen bald wieder. Kreutzner schlich sich durch allerlei Kunstgriffe
immer mehr in sein Vertrauen ein; tat immer demütig und fromm; wich, als
Xaver, wegen einer Unpässlichkeit, ein paar Tage auf dem Zimmmer bleiben musste,
nicht von seiner Seite, tat herzlich betrübt; und befestigte sich dadurch noch
mehr in der Liebe des Jünglings. Er entlehnte, unter allerlei Vorwand, alle
Augenblicke Geld von Siegwart; versprach immer, es ihm wieder heimzugeben, und
gewanns ihm dann durch Wetten, oder durch Spiele, die er aber anders nannte, ab,
oder verkaufte an ihn schlechte Bücher teuer, so dass Siegwart sich in kurzer
Zeit fast seines ganzen Vorrats los sah.
    P. Philipp hielt nicht viel von Kreutznern, und sah, dass er Xavern ganz von
ihm abzöge. Er sagte also einmal auf einem Spatziergange, wo Kronhelm auch dabei
war: Mein lieber Siegtwart, er lässt sich ja bei mir wenig mehr sehen, und bei
Kronhelm auch nicht, den ich ihm doch so sehr empfohlen habe. - Ja, sagte
Siegwart, Herr Professor! ich bin eben viel beim Kreutzner. Gut, antwortete P.
Philipp, Kreutzner ist ein Mensch, dem ich zwar nichts offenbahr Böses nachsagen
kann; aber er hat so was in der Mine, und in seinem
