
    Sebaldus: Nein, was sollte ich mit dem unsinnigen Zeuge machen?
    Hieronymus: Nicht? Desto schlimmer für den Buchhändler, dass Sie so klug
sind! Er mag sich dumme Käufer schaffen, oder er ist verloren.
    Sebaldus: Der Buchhandel ist also, wie ich merke, ein so leichtes Geschäft,
als es einträglich ist. Dumme Bücher verlegen und sich viel dumme Käufer dazu
suchen erfordert ja wahrlich keine große Kunst, denn die dummen Menschen sind
unzählig.
    Hieronymus: Und doch ist's schwerer, als Sie es sich vorstellen. Vergessen
Sie nicht, dass Millionen dumme und kluge Menschen gar keine Bücher brauchen. Das
können Sie daraus sehen, dass von den meisten Büchern im deutschen Buchhandel
etwa fünfhundert und höchstens bis ein paar tausend Exemplare gedruckt und
selten sämtlich verkauft werden, und doch reden an dreißig Millionen Menschen
die deutsche Sprache. Und dann muss der Käufer das Buch suchen, nicht das Buch
den Käufer. Die dummen Menschen, welche zum Glücke der Buchhändler noch dumme
Bücher kaufen wollen, haben jeder ihre eigene Art der Dummheit für sich und
suchen nur diese. Glauben Sie mir, der Arten der Dummheiten sind in Deutschland
sehr viele - da sogar die gelehrte Klugheit vieler Schriftsteller dumm genug
ist! Es gehört also bei dem Buchhändler viel Erfahrung dazu, die rechte Art
dummer Bücher zu verlegen und anzuschaffen. Denn fällt er auf die unrechten
dummen Bücher, so bleiben auch diese liegen, und er kommt sodann auch mit der
Dummheit nicht vorwärts.
    Sebaldus: Das gönne ich ihm herzlich! Denn ich behaupte: ein Buchhändler ist
nur dazu da, um der Gelehrsamkeit aufzuhelfen, daher sollte er keine andere als
gute Bücher drucken und verkaufen.
    Hieronymus: Das heißt von dem Buchhändler zuviel gefordert, der sich selten
nach dem Geschmacke der Gelehrten, ja selbst nicht nach seinem eigenen richten
kann, sondern nach dem Geschmacke des großen Haufens richten muss; und dieser
macht es ihm nur allzu leicht, die meisten guten Schriftsteller beinahe ganz zu
entbehren.
    Sebaldus: Dies tun die Buchhändler freilich, aber sie sollten es nicht tun,
sondern sollten billig dem Geschmacke der größten Gelehrten folgen; und ich habe
mich schon oft über Sie selbst gewundert, da Sie wissen, was große Gelehrte von
Büchern urteilen, und doch schlechte Bücher drucken und verkaufen.
    Hieronymus: Mein Freund, der Geschmack großer Gelehrten ist der Geschmack
sehr weniger Leute; der Buchhändler aber braucht sehr viele Käufer, wenn er sein
Geschäft treiben will. Wenn nun sogar dumme Bücher oft nicht Käufer finden,
wieviel mehr wird es den gelehrten und klugen Büchern so gehen, da der gelehrten
und klugen Leute offenbar die wenigsten sind? Daher kommt es, dass so oft Autor
und Verleger bei dem besten beiderseitigen Willen sich nicht
