 sehr schlecht gewesen, dass sie es aber mit deutschem
Fleiße erst vortrefflich gemacht hätten. Es gibt sogar Übersetzer, welche durch
Übersetzungen Originalschriftsteller werden. Diese nehmen ein französisches oder
engländisches Buch, lassen Anfang und Ende weg, ändern und verbessern das übrige
nach Gutdünken, setzen ihren Namen keck auf den Titel und geben das Buch für
eigene Arbeit aus. Endlich gibt es solche, die ihre Übersetzungen selbst machen,
und solche, die sie von andern machen lassen.
    Sebaldus: Sie vergessen, dünkt mich, noch einen wichtigen Unterschied: unter
Übersetzern, welche der Sachen und beider Sprachen kundig, und solchen, welche
beider unkundig sind. Ich wenigstens glaube einen großen Unterschied dieser Art
bei den Übersetzern der Apokalypse bemerkt zu haben.
    Magister: Vielleicht mag die Kenntnis der Sachen und Sprachen bei der
Apokalypse einen merklichen Unterschied machen, aber bei unsern gewöhnlichen
Übersetzungen aus dem Französischen und Engländischen wird so genau darauf nicht
geachtet.
    Sebaldus: Und doch, dächte ich, müsste besonders der Verleger seines eigenen
Nutzens wegen acht darauf haben.
    Magister: Keineswegs! Hieran denkt er gemeiniglich gar nicht oder sehr
wenig. Hat er etwa drei Alphabete in Grossoktav oder in Grossquart zu
Komplettierung seiner Messe noch nötig, so sucht er unter allen neuen, noch
unübersetzten Büchern von drei Alphabeten dasjenige aus, dessen Titel ihm am
besten gefällt. Ist sodann ein Arbeiter gefunden (welches eben nicht schwer
ist), der noch drei Alphabete bis zur nächsten Messe übernehmen kann, so handeln
sie über den armen Franzosen oder Engländer wie zwei Schlächter über einen
Ochsen oder Hammel nach dem Ansehen oder auch nach dem Gewichte. Wer am
teuersten verkauft oder am wohlfeilsten eingekauft hat, glaubt, er habe den
besten Handel gemacht. Nun schleppt der Übersetzer das Schlachtopfer nach Hause
und tötet es entweder selbst oder lässt es durch den zweiten oder dritten Mann
töten.
    Sebaldus: Durch den zweiten oder dritten Mann? Wie ist das zu verstehen?
    Magister: Das ist eben das Manufakturmässige bei der Sache. Sie müssen
wissen, es gibt berühmte Leute, welche die Übersetzungen im großen
entreprenieren, wie ein irländischer Lieferant das Pökelfleisch für ein
Geschwader, und sie hernach wieder an ihre Unterübersetzer austeilen. Diese
Leute erhalten von allen neuen übersetzbaren Büchern in Frankreich, Italien und
England die erste Nachricht, wie ein Makler in Amsterdam Nachricht von Ankunft
der ostindischen Schiffe in Texel hat. Alle übersetzungsbedürftige Buchhändler
wenden sich an sie, und sie kennen wieder jeden ihrer Arbeiter, wozu er zu
gebrauchen ist und wie hoch er im Preise steht. Sie wenden den Fleissigen Arbeit
zu, bestrafen die Säumigen mit Entziehung ihrer Protektion, merzen die Fehler
der Übersetzungen aus oder bemänteln sie mit ihrem vornehmen Namen, denn
mehrenteils sind Unternehmer dieser Art stark im Vorredenschreiben. Sie
