 nicht daran, das erste beste alte Buch wieder drucken
zu lassen und es Ihrem Gönner zuzueignen?
    Sebaldus: Ich dächte, der Patron würde mir wenig danken, wenn ich ihm
anstatt etwas Neues nur etwas Aufgewärmtes vorsetzte.
    Magister: Als wenn der Patron nicht zufrieden sein müsste, dass sein Namen vor
dem Buche steht, und als wenn er es auch noch würde lesen wollen! Genug,
mancher Journalist wird Ihnen danken, dass Sie durch die neue Herausgabe unserer
Literatur einen so großen Dienst geleistet haben! Und Sie können als ein noch
wichtigerer Mann erscheinen, wenn Sie dem Buche eine Vorrede vorsetzen, um es
durch Ihren Namen der Welt anzupreisen.
    Sebaldus: Wenn man aber nicht wirklich sehr berühmt ist, so gehört viel
Scharlatanerie dazu, so eine vornehme Miene zu affektieren.
    Magister: Ja, wenn Sie Ihren Namen selbst nicht für berühmt halten, so sind
Sie auf gutem Wege, ihn nie berühmt zu machen. Ich merke wohl, Sie wollen
inkognito arbeiten; damit ist Ihnen auch zu dienen. Da ist mehr als ein
Buchhändler, der seinen Autoren aufträgt, was er für verkäuflich hält:
Geschichte, Romanen, Mordgeschichten, zuverlässige Nachrichten von Dingen, die
man nicht gesehen hat, Beweise von Dingen, die man nicht glaubt, Gedanken von
Sachen, die man nicht versteht. Zu solchen Büchern bedarf der Verleger keine
Autoren, die einen Namen haben, sondern solche, die nach der Elle arbeiten. Ich
kenne einen, der in seinem Hause an einem langen Tische zehn bis zwölf Autoren
sitzen hat und jedem sein Pensum fürs Tagelohn abzuarbeiten gibt. Ich leugne es
nicht - denn warum sollte ich Armut für Schande halten? -, ich habe auch an
diesem langen Tische gesessen. Aber ich merkte bald, dass ich zu diesem Gewerbe
nichts taugte, denn ich kann zwar ohne Gedanken eine Korrektur lesen, aber nicht
ohne Gedanken Bücher schreiben; und bei solchen Büchern ist immer der am
angenehmsten, der am geschwindesten schreibt, auch wenn er am schlechtesten
schriebe.
    Sebaldus: Am schlechtesten? Da handelt ja der Verleger wider seinen eigenen
Vorteil; denn was kann die Welt mit den schlechten Büchern machen! Magister: Was
geht den Verleger die Welt an? Er bringt sein Buch auf die Messe.
    Sebaldus: Nun - und durch die Messe kommen die Bücher in die Welt.
    Magister: Freilich, nur mit dem Unterschiede, dass sie vorher vertauscht
werden und dass also der Verleger am besten daran ist, der die schlechtesten
Bücher hat, weil er leicht etwas Bessers bekommt.
    Sebaldus: Aber denn müssen doch einigen Buchhändlern die schlechtesten
Bücher bleiben, und die bedaure ich.
    Magister: Weswegen? Es ist ihnen ja unbenommen, Narren zu suchen, die aus
dem schlechtesten
