 Jahren die Stapelstadt der Waren
der gelehrten Handwerker.
    Sebaldus: Sie haben ein sonderbares Vergnügen daran, Wörter
zusammenzusetzen, deren Begriffe offenbar miteinander streiten. Gelehrsamkeit
ein Handwerk? Bücherschreiben ein Gewerbe?
    Magister: Allerdings, und zwar ein solches Gewerbe, worin jeder den Nutzen
so sehr auf seine Seite zu ziehen sucht, als nur möglich ist. Der Autor will
gern dem Verleger sowenig Bogen Manuskript als möglich für soviel Geld, als
möglich ist, überliefern. Der Verleger will gern so viele Alphabete als möglich
so wohlfeil als möglich einhandeln und so teuer als möglich verkaufen. Der Autor
will gern sowenig Zeit, Mühe, Überlegung und Geschicklichkeit an sein Buch
wenden und doch soviel Ruhm, Belohnung, Beförderung von der Welt einernten als
möglich. Zu dem letzten sind leider nur allzuviel Mittel vorhanden!
    Sebaldus: Sie sagen mir da so unerhörte Sachen, dass ich vor großem Erstaunen
mich fast nicht getraue, ein Wort dagegen einzuwenden, und doch ist mir alles
unbegreiflich. Was für Mittel können vorhanden sein, Ruhm und Belohnung durch
ein Buch zu erlangen, worin man keine Talente zeigt und worauf man wenig Zeit
gewendet hat? Magister: Ei, sehr viele! Zum Beispiel ein Professor muss Amts
wegen ein Kollegium lesen, dazu schreibt er ein besonderes Kompendium der ganzen
Wissenschaft. Dies kostet wenig Zeit und Mühe, erfordert auch wenig Talente, und
doch gibt's bei den Studenten das Ansehen, als hätte man die Sachen ergründet,
und bei der Welt das Ansehen, als könne man ein Buch schreiben.
    Sebaldus: Aber die Welt kann doch unmöglich ein bloßes Kompendium einer
bekannten Wissenschaft für ein Buch ansehen?
    Magister: Die deutsche Welt ist gutwillig, sie hat sich schon sehr viele
Kompendienschreiber für Schriftsteller aufdringen lassen. Und es weiß mancher
Lehrer noch wirtschaftlicher mit seinem Pfunde zu wuchern! Will das Kompendium
nicht Ruhm genug bringen, so lässt man einen Teil des Diskurses oder der
Amplifikation des Kompendiums unter einem Modetitel drucken, und dann ist man
ein Schriftsteller in bester Form.
    Sebaldus: Ja, aber doch sind, meines Erachtens, Studenten und Leser sehr
unterschieden.
    Magister: Ja freilich, darum werden auch die Stadtistörchen, die
Anspielungen auf die Herren Kollegen, die Schwänke, womit die Benevolenz der
Herren Kommilitonen kaptiviert werden soll, weggelassen, wenigstens von denen,
die Kenntnis der Welt und Lebensart im Munde führen.
    Sebaldus: Das ist ganz gut! Aber ich dächte doch, der ganze Ton müsste
verändert werden. Ein Lehrer kann voraussetzen, dass er mehr Einsichten habe als
seine Zuhörer; deswegen kann er ihnen manches sagen, was er nicht füglich den
Lesern sagen darf, weil er vermuten muss, dass darunter viele sein möchten, die
ebensoviel und mehr Einsichten haben als er.
    Magister
