 schmiegen,
Zwar nicht bis an den Himmel fliegen,
Jedoch auch nicht, dahin verstiegen
Und dann gestürzet, jämmerlich
Zerschmettert auf der Erde liegen:
Die kleinen Dingerchen lieb ich!
Sie pflegen sich mit Artigkeit
In das Gedächtnis einzuschleichen,
Darin zu bleiben und nicht weit
Den großen Versen auszuweichen.
Gräfin: Ach, das ist meine Meinung gar nicht; am wenigsten, wenn die kleinen
Dingerchen voll kalter Tändeleien sind! Meinen Sie denn, dass dem Frauenzimmer
das Süße und Tändelhafte so sehr gefällt? Wir sind nun freilich, weil es Ihrem
Geschlechte so beliebt, das schwächere; aber glauben Sie mir, wir lieben an uns
selbst die Schwäche nur, insofern sie uns schön und niedlich macht, und wer
weiß, ob's nicht gar bloße Eitelkeit bei uns ist, dass wir die Mannspersonen
nicht niedlich sehen mögen? Wissen Sie wohl, Säugling, dass Sie zu schön sind und
dass ich auf Sie eifersüchtig bin? Wenn Sie mich beruhigen wollen, waschen Sie
sich und Ihre Gedichte nicht mehr mit Essenzen und lassen sich lieber ein wenig
von der Sonne verbrennen. Hören Sie wohl! Schreiben Sie mir eine gute derbe
Prose, so für den gesunden Menschenverstand, ohne Niedlichkeit. Oder, nehmen Sie
sich in Acht, wenn Sie mich böse machen, verdamme ich Sie zum großen Amboss ...
    Indem die Gräfin dieses sagte, erblickte sie das Fräulein und den Obersten,
die aus einer benachbarten Allee auf sie zukamen.
    »Kommen Sie«, rief sie, weil sie den armen Säugling ein wenig quälen wollte,
»kommen Sie, meine Liebe, helfen Sie mir die kleinen tändelnden Liederchen gegen
den Herrn von Säugling verteidigen. Stellen Sie sich nur vor, er will ihnen
entsagen! Wenn wir ihn gehenlassen, so wird er große, mächtige Hexameter
schmieden wollen, und dann ist er für uns verloren.«
    Das Fräulein antwortete mit sauersüsser Miene: »Ach nein, dazu ist der Herr
von Säugling viel zu zärtlich! Er wird nur merken, was ich schon lange gedacht
habe, dass die deutsche Sprache überhaupt zu bäurisch ist, um liebliche Ideen
auszudrücken. Er wird künftig französisch schreiben für die große Welt, nicht
für die ungeschliffenen deutschen Bürger. Er liebt ja ohnedies die französische
Nation vor allen andern.« Hiebei blickte sie Marianen, die aus einer andern
Allee zu ihnen kam, spöttisch über die Achsel an.
    Die Gräfin verstand den Stich, wollte ihn aber nicht verstehen, fuhr daher
im scherzenden Tone fort:
    »Nein, Säugling, wenn doch einmal das Schicksal beschlossen hat, dass es
Ihnen unglücklich gehen soll, so werden Sie lieber ein Original als ein solches
Mittelding, wie die meisten Schriftsteller sind, die in Deutschland französisch
schreiben: in Frankreich
