. Ich dächte, er müsste
auswärts ebenso berühmt sein als Wichmann, Reinhard, Schmid, Pezold, die des
Herrn Doktors lateinische Schriften, den Ungelehrten zum Besten, ins Deutsche
übersetzten. Zudem wird, wie ich höre, in Leipzig und in Wittenberg über seine
Einleitung gelesen.«
    »Ich habe schon mehrmal bemerkt, dass Leute, die auf Universitäten für sehr
berühmt gehalten werden, in Berlin keinem Menschen bekannt sind. Ich glaube
überhaupt nicht, dass Sie in Berlin durch Philosophie Ihr Glück machen können. Da
hilft Gunst und Protektion, tiefes Beugen und langes Warten oft mehr als das
beste System. Was haben Sie sonst studiert? Womit haben Sie sich außer der
Philosophie am meisten beschäftigt?«
    »Ich habe meine Nebenstunden hauptsächlich zur Verfertigung eines Kommentars
über die Apokalypse angewendet. Ich habe ihn bei einem Freunde niedergelegt. Mir
fällt eben ein, ich könnte ihn kommen lassen; denn, unter uns gesagt, ich
beweise darin, dass der König von Preußen in kurzem ansehnliche Provinzen
erhalten wird nebst vielen andern wichtigen und nützlichen Dingen.« »Mein lieber
Freund, die Apokalypse ist in Berlin noch weniger in gutem Geruche als die
Philosophie. Wollten Sie weissagen, so mussten Sie vor drei oder vier Jahren
kommen, als wir noch Krieg hatten, denn da galten noch die Weissagungen etwas.
Und doch ist die Frage, ob nicht Pfannenstiel der Leinweber weit über Sie
gewesen sein würde, welcher nicht allein die Schlacht bei Zorndorf auf den Tag
vorhersagte, da sie wirklich geschah, sondern auch, was noch mehr war, den
Gesang, der den darauf folgenden Sonntag in der Kirche gesungen werden sollte.
Nein, mit Weissagungen kommen wir nun in Berlin nicht mehr fort. Verstehen Sie
nichts anders? Können Sie Französisch, können Sie rechnen, können Sie tanzen,
können Sie den Hunden den Tollwurm schneiden? Dies sind Künste, die ihren Mann
ernähren.«
    »Von alledem verstehe ich nichts«, sagte Sebaldus ganz kleinmütig. »Ich
verstehe zwar noch etwas, aber das wird mich auch zu nichts führen, da man in
Berlin sogar mit der Philosophie nicht fortkommt. Ich kann ein wenig auf dem
Klaviere spielen, aber was kann mir das nützen?«
    »Halt, mein Freund, damit kommen wir weiter als mit allem andern. Diese
Geschicklichkeit wird Ihnen nicht reichliches, aber doch notdürftiges Brot
geben. Sie werden auch Noten schreiben können. Mit diesen beiden Künsten habe
ich mich selbst über zwei Jahre erhalten.«
    Sebaldus ward also zu einem Musiker von der unteren Klasse umgeschaffen. Er
unterwies gemeiner Leute Kinder auf dem Klaviere, und für vornehmere schrieb er
Noten. Er ward hierdurch zu seinem großen Vergnügen in gar kurzer Zeit in den
Stand gesetzt, seinem Wohltäter
