 benachrichtiget, dass wir uns bei Gelegenheit dergleichen
Freiheiten erlauben würden - - Und doch wollen wir so ehrlich sein und gestehen,
dass wir uns weder in diesem Stück, noch, die Wahrheit zu sagen, in irgend einem
andern, Nachahmer zu bekommen wünschen. Nicht als ob uns bange davor sei, man
werde Ordnung und Zusammenhang in dieser unsrer pragmatisch-critischen
Geschichte vermissen; sondern weil es in der Tat unendlich mal leichter ist
Miscellanien zu schreiben, als ein ordentliches Werk, und es daher leicht
geschehen könnte, dass ein junger Scribent, der sich seiner bessern
Bequemlichkeit wegen unsrer Methode bedienen wollte, sich die Horazische Frage
zuziehen könnte: Currente rota cur urceus exit? Und wenn auch dieses nicht zu
besorgen wäre, so gibt es sehr wackere Leute, denen es schwer fällt, sich aus
dergleichen mäandrischen Abschweifungen wieder herauszuhelfen, und, sobald es
dem Verfasser beliebt, wieder auf dem Punkt zu stehen, wo er mit ihnen
ausgegangen ist. Was hat man uns, werden solche Leser, zum Exempel fragen, in
diesem ganzen Kapitel denn eigentlich sagen wollen? - - Merken sie auf, meine
Herren, das war es - dass dieser Dion von dem die Rede war, und um den Sie Sich
übrigens, wie ich vermute, sehr wenig bekümmern, eine ganz gute Art von Prinzen,
aber doch nicht ganz so sehr ein Held von Tugend gewesen sei, wie ihn ein
gewisser ehrlicher Ober-Priester zu Chäronea sich eingebildet - - oder wenn man
ihm auch eingestehen wollte, dass er's gewesen sei, eben dadurch an seinem Platz
nicht soviel getaugt habe, als Sie, meine Herren, indem Sie ihrem Hauswesen wohl
vorstehen, sich wohl mit ihrer Gemahlin betragen, ihr Rechnungs-Buch in guter
Ordnung halten, und was dergleichen mehr ist - - Nun verstehen wir einander
doch?
 
                                Drittes Kapitel
      Eine Probe, dass die Philosophie so gut zaubern könne, als die Liebe
Die vorläufigen Nachrichten, welche wir dem Leser zu geben haben, entfernen uns
ziemlich lange von unserm Helden; allein, für Eins, so sind sie zum Verständnis
des Folgenden unentbehrlich; und fürs Andere, so hätten wir auch dermalen nichts
wichtigers von ihm zu sagen, als dass er im Begriff sei, den Hausgöttern seines
Freundes, des Kaufmanns, eine andächtige Libation zu bringen; mit seiner Familie
Bekanntschaft zu machen, und nach einer leichten Abendmahlzeit von den
Beschwerden der Seefahrt auszuruhen.
    Dion sah die Ausschweifungen des Dionys mit der Verachtung eines
kaltsinnigen Philosophen an, der keine Lust hatte Teil daran zu nehmen; und mit
dem Verdruss eines Staatsmannes, der sich in Gefahr sah, durch einen Haufen
junger Wollüstlinge, Lustigmacher, Pantomimen und Narren, welche kein anderes
Verdienst hatten, als den Prinzen zu
